世の中 - Yo no Naka

May 08, 2009

RogerInu Makura - 犬枕

Hallo zusammen!

Es wahr ja schon länger recht still hier, aber jetzt soll wieder ein bisschen mehr Schwung in die Sache kommen.

Das Kopfkissenbuch von Sei Shonagon liest sich wie ein tausend Jahre altes Blog. Die Parodie darauf, das Inu Makura, ist aber noch wesentlich kompakter. Daher gibt es ab sofort unter Inu Makura immer neue Einträge aus diesem recht lustigen Werk. Wenn wir durch sind wird es auch noch mal hier in Gänze gepostet.

December 18, 2008

Roger徒然草四十段 - Tsurezuregusa, Kapitel 40

Mal wieder die unendliche Weisheit des Yoshida Kaneyoshi.

In der Provinz Inaba gab es einen Mann, der Priester von Soundso (irgendwas in der Art) genannt wurde und man hörte von der schönen Gestalt seiner Tochter. Viele Männer hielten stetig um ihre Hand an, doch da sie nichts außer Kastanien aß, Reis und ähnliches aber nicht sagte ihre Vater: "Einen so seltsamen Menschen sollte man nicht verheiraten." und gab sie nicht weg.

December 09, 2008

Henning徒然草 弟二百四十四段 Tsurezuregusa Abschnitt 244 (Bis heute verschollen)

Bei meiner tiefgehenden Recherche habe ich den bis heute unentdeckten Abschnitt 244 des Tsurezuregusa gefunden. Er lautet:

よろずのこと果てあり。腸詰かぎり、果て二つ。

Ich wage mich aber nicht diesen Abschnitt zu übersetzen. So erhaben ist er.

November 03, 2008

Tim芥川龍之介 - 河童 - Kapitel 6 - Teil 2

Für alle, die schon seit Monaten nervös auf ihren Stühlen hin- und herrutschen, weil sie es nicht mehr aushalten, nicht zu wissen, wie es bei unseren Kappas weitergeht:


Aber es ist nicht so, dass es nie vorkommt, dass ein Kappamännchen voller Inbrunst ein weibliches Kappa verfolgt. Dann aber hat ihn das Weibchen derart gereizt, dass das Männchen nicht umhin konnte, als das Weibchen zu verfolgen. Ich habe einmal gesehen, wie ein Kappamännchen ein Weibchen wie ein Verrückter gejagt hat. Während der Flucht blieb das Weibchen von Zeit zu Zeit sogar extra stehen, um nach dem Männchen zu sehen oder zeigte sich auf allen Vieren kriechend. Und als Zugabe, als die Gelegenheit günstig war, ließ sie sich ohne Schwierigkeiten fangen und tat dabei so, als sei sie total entkräftet. Der von mir beobachtete Kappamann umklammerte das Weibchen und wälzte sich mit ihr dort eine Weile herum. Aber als er sich endlich erhob, machte er ein enttäuschtes oder ein bedauerndes, giftiges Gesicht, dass es kaum zu beschreiben wäre. Aber er hat eigentlich noch Glück gehabt. Denn unter den Kappas, die ich beobachtet hatte, war auch ein kleines Kappamännchen, das ein Weibchen verfolgt hatte. Das Weibchen war wie üblich sehr verführerisch geflohen. Plötzlich kam von der gegenüberliegenden Straßenseite ein großes Kappamännchen laut schnaubend angelaufen. Als das Weibchen dann den großen Kappamann sah, schrie sie wie am Spieß: „Es ist furchtbar! Helfen Sie mir! Dieses Kappa will mich umbringen!“ Natürlich packte sich das große Kappa das kleine Männchen unversehens und schmiss ihn mitten auf die Straße. Das kleine Kappa griff noch zwei-, dreimal mit seiner mit Schwimmhäuten versehenen Hand in die Luft und starb schließlich. Aber zu diesem Zeitpunkt hatte sich das Kappaweibchen schon verschmitzt lächelnd um den Hals des großen Kappamännchens geworfen.


Yoshida Kenkô meint dazu: Dies beweist, dass die Geschichte wahr ist!

October 29, 2008

TimAus gegebenem Anlass

Mein Vorschlag für den Uniführerschein:

Um studieren zu dürfen, müssen mindestens 6 der folgenden 10 Fragen korrekt beantwortet werden!

1) Welche Studienvoraussetzungen gibt es in Deutschland?
a) Foraussetzung?
b) Abitur
c) Griechisch-orthodox

2) Sie können sich die Studiengebühren nicht leisten. Was tun?
a) Studienkredit
b) Dozenten anpumpen
c) Erstmal in den Urlaub fliegen und darüber nachdenken

3) Welche Aufgaben hat ein/e Dozent/in?
a) Wissen vermitteln
b) Wäsche der Studenten waschen
c) Drogen beschaffen

4) Wie sprechen Sie Ihren Dozenten an?
a) Herr/Frau Professor/in
b) Du Arsch
c) Peter Maffay

5) Sie haben ein Problem mit Ihrem Stundenplan. An wen wenden Sie sich?
a) Zuständige/n Dozent/in
b) Bo-Frost
c) Gynäkologen

6) Sie kommen 10 Minuten zu spät in die Vorlesung. Wie verhalten Sie sich?
a) Ausrasten und Dozent schlagen
b) Ruhe bewahren und hinsetzen
c) Ein Entschuldigungslied singen (laut!)

7) Der Abgabetermin Ihrer Hausarbeit ist der 30.9. Wann geben Sie die Arbeit ab?
a) Pünktlich
b) Nachts
c) 15.10., aber unter lautem Protest (den Dozent dabei als „Faschisten“ bezeichnen!)

8 ) Darf ein Dozent ein Seminar morgens SCHON um 11 Uhr ansetzen?
a) Ja
b) Nein
c) Faschist

9) Der/die böse/r Professor/in zwingt sie böswillig, einen Text zur Vorbereitung eines Seminars zu lesen. Darf er/sie das?
a) Ja
b) Nur mit Waffenschein
c) Nein. Ich habe das im Grundgesetz verankerte Recht auf Freibad und Bräunen!

10) Wie bereitet man sich auf eine Prüfung vor?
a) Lernen
b) Trinken
c) Zähne putzen




October 25, 2008

RogerTsurezuregusa, Abschnitt 26 徒然草 26段

Denk' ich an die Jahre und Monate, die ich in tiefer Verbundenheit verbrachte, mit einem Menschen, dessen Sinn sich ohne Anlass wandelte - leichter noch als die Blüte fällt, die noch der Windhauch rütteln muss - und kann ich nicht vergessen wie ich seinen Worten stets ergriffen lauschte, so ist der Umstand, dass er sich schließlich von meiner Welt entfernt, weit schmerzhafter als jene Trauer, die wir beim Abschied von Verblichenen empfinden. So kommt es wohl, dass Mancher die Färbung des weißen Fadens und die Gabelung der Wegkreuzung beklagte. In der Sammlung der 100 Gedichte des alten Kaisers Horikawa heißt es:

Der Zaun um das Haus
dessen Herrin ich kannte
liegt verfallen da.
Nur Veilchen gedeihen noch
einzeln und spärlich im Schilf.

Ein einsames Gefühl. Wie dort ist es dem Dichter gewiss ergangen.

September 25, 2008

Henning義経記 - Das Gikeiki: "Wie Benkei in der Hauptstadt Schwerter stahl" Teil 3

Hier nun der letzte Teil des Kapitels:

武蔵坊是を見て、「鬼神とも言へ、当時我を相手にすべき者こそ覚えね」とて以て開いてちやうど打つ。御曹司「彼奴は雄猛者かな」とて、稲夫の如く弓手の脇へづと入り給へば、打ち開く太刀にて築地の腹に切先打ち立てて、抜かんとしける暇に、御曹司走り寄りて、弓手の足を差し出だして、弁慶が胸をしたたかに踏み給へば、持ちたる太刀をからりと棄てたるを取つて、えいやと言ふ声の内に九尺ばかり有りける築地にゆらりと飛び上がり給ふ。
Als Benkei das sah, sagte er: „Nicht einmal grimmige Götter wagen es sich mir in den Weg zu stellen“ und führte einen gewaltigen Hieb aus. Yoshitsune sprach: „Der Lump ist wahrlich ein furchtloser Recke!“ und zog schnell seinen linken Arm zur Seite, worauf die Spitze von Benkeis Schwert in der Mauer stecken blieb. In der Zeit in der Benkei versuchte das Schwert herauszuziehen kam Yoshitsune angelaufen und trat Benkei mit ausgestrecktem linken Bein kräftig vor die Brust, worauf dieser sein Schwert fallen lies. Yoshitsune schnappte sich das Schwert und sprang mit einem „hey-ya“ geschwind die 9 Shaku (ca. 2,70m) hohe Mauer hinauf.


弁慶胸はいたく踏まれぬ。鬼神に太刀取られたる心地して、あきれてぞ立ちたりける。御曹司「是より後にかかる狼藉すな。さる痴の者有りかとかねて聞きつるぞ。太刀も取りてゆかんと思へども、欲しさに取りたりと思はんずる程に取らするぞ」とて築地の覆ひに押し当てて、踏みゆがめてぞ投げかけ給ふ。
Benkeis Brust schmerzte von dem Tritt. Er fühlte sich als hätte ein grimmiger Gott ihm sein Schwert genommen und stand völlig benommen da. „Ab jetzt ist genug mit deinen Freveltaten. Ich hab schon vorher von dir gehört. Ich bin gekommen mir dein Schwert zu holen, aber es ist nicht so, dass ich es genommen habe weil ich es gerne haben möchte“,sprach Yoshitsune, drückte das Schwert gegen den Rand der Mauer, verbog die Klinge mit dem Fuß und warf es hinunter.

太刀取つて押し直し、御曹司の方をつらげに見遣りて、「念無く御辺はせられて候ふ物かな。常に此の辺におはする人と見みるぞ。今宵こそ仕損ずるとも是より後においては心許すまじき物を」とつぶやきつぶやきぞ行きける。
Benkei nahm das Schwert, bog es wieder gerade und murmelte, während er sich langsam entfernte in Richtung von Yoshitsune blickend: „Leider habt Ihr mich wohl heute in die Flucht geschlagen. Es sieht so aus als wärt Ihr öfter hier. Heute Abend habe ich einen Fehler begangen, aber das nächste mal lasse ich so etwas nicht zu!“

御曹司是を見給ひて、何ともあれ、彼奴は山法師にてぞ有るらんと思召しければ、「山法師人の器量に似ざりけり」と宣へども、返事も せず。何ともあれ、築地より下り給はん所を切らんずるものをと思ひて待ちかけたり。築地よりゆらりと飛び下り給へば、弁慶太刀打ち振りてづと寄る。九尺の築地より下り給ひしが、下に三尺ばかり落ちつかで、又取つて返し上にゆらりと飛び返り給ふ。
Yoshitsune beobachtete ihn und dachte bei sich „Der ist doch sicherlich ein Kriegermönch!“ und rief ihm nach: „Der Körperkraft eines Kriegermönches glich das aber nicht!“, aber es kam keine Antwort. Stattdessen dachte Benkei sich, dass Yoshitsune ja sicherlich irgendwann von der Mauer herunterkommen würde und wartete. Als Yoshitsune dann herunter sprang, machte Benkei einen Satz in seine Richtung und schwang sein Schwert. Yoshitsune war zwar bereits von der Mauer gesprungen, aber als er von der 9 Shaku hohen Mauer noch nicht einmal 3 Shaku (ca. 90cm) gefallen war, sprang er galant aus der Luft wieder zurück hinauf.

大国の穆王は六韜を読み、八尺の壁を踏んで天に上がりしをこそ上古の不思議と思ひしに、末代と雖も、九郎御曹司は六韜を読みて、九尺の築地を一飛びの中に宙より飛び返り給ふ。弁慶は今宵は空しく帰りけり。
Dass König Mu aus China das Liu tao las und danach von einer 8 Shaku (ca. 2,40m) hohen Mauer in den Himmel aufstieg wird als etwas Undenkbares aus uralten Zeiten erachtet. Aber auch in der heutigen Zeit der schwindenden Lehre, sprang Yoshitsune, nachdem er das Liu tao gelesen hatte während des Sprunges aus der Luft zurück auf eine 9 Shaku hohe Mauer. Diesen Abend ging Benkei frustriert nach Hause.


Das wars dann mit diesem Kapitel. Wenn ich demnächst wieder Lust habe widme ich mich einem neuen Kapitel. :-)

September 19, 2008

HenningEin paar Gedichte zur Freundschaft

Ich breche mal das ewige Schweigen!
Sonst entsteht noch der Eindruck, die Seite wäre tot. Aber ich denke, dass die Semesterferien ihren teil dazu beitragen :-) Wenn das Semester wieder los geht, haben wir sicher wieder einen höheren output.
Mein letzter Teil der Gikeiki-Geschichte steht ja auch noch aus. :-)

Da ich mich gerade im Rahmen einer Hausarbeit damit auseinandersetze, wollte ich ein paar Gedichte (hauptsächlich 和歌 waka) zu dem Thema "Freundschaft" posten. Die Beispiele stammen aus dem 和漢朗詠集 (wakan rōeishū) und dem 伊勢物語 (Ise monogatari). Die Gedichte spiegeln ein, finde ich, schönes Bild der Freundschaft wieder und sind geprägt von den ästhetischen Vorstellungen ihrer Zeit. Auch wenn knapp 1000 Jahre alt und aus einer entfernten Kultur, lassen sich die Vorstellungen meiner Meinung gut nachvollziehen. Ich war jedenfalls überrascht, wie sehr ich manchmal emotional berührt war! Nun gut, also hier:

琴詩酒の友は皆我を抛つ、
雪月花の時最も君を憶ふ

Qin, Dichtung und Wein – all diese Freunde haben mich verlassen
Schnee, Mond und Blumen – zu jenen Zeiten gedenke ich deiner am meisten

(Bo Juyi, wakan rōeishū 734)

Das Gedicht ist chinesischer Herkunft (vom Dichter Bo Juyi), aber ich habe die ins japanisch übertragene Version genommen. Bevor es Aufregung wegen der "Blumen" gibt und jemand schreibt "Das heisst doch sicher Kirschblüten!!!" möchte ich nur kurz sagen, dass ich mir nicht sicher bin, ob es sich auch bei einem chinesischem Gedicht um die Kirschblüte handeln kann. Vielleicht zieh ich für die Frage noch mal einen Sinologen zu Rate.

君とわれいかなることをちぎりけん
むかしの世こそしらまほしけれ
Du und Ich - was für Dinge - versprachen wir uns wohl – in einem früherem Leben - wie gerne würde ich dies wissen!
(Unbekannter Dichter, wakan rōeishū 739)

Auch wenn es klingt wie ein Liebesgedicht, ist es im Kapitel "Freundschaft" im wakan rōeishū einsortiert. Ich habe bei den waka immer versucht die 5-7-5-7-7 Form beizubehalten, also in die Abschnitte (durch den Strich getrennt) auch immer nur die Übersetzung der darin befindlichen Zeichen zu setzen. Ob das gelungen ist, mag ich selber nicht beurteilen. :-) Aber es hat Spaß gemacht, es zu versuchen so zu übersetzen.

Die letzten beiden Gedichte gehören zusammen, weil das zwei die Antwort auf das erste ist. Diese stammen aus dem Ise monogatari und sind ein Austausch von Gedichten zwischen dem Helden (Ariwara no Narihira) und dem Prinz Koretaka. In den beiden Gedichten wird besonders der ästhetische Stellenwert der Kirschblüte deutlich:

世中にたえてさくらのなかりせば春のこゝろはのどけからまし
In dieser Welt – die Kirschblüten – gäbe es sie nicht - das Herz im Frühling - es wäre wohl sorgenfrei
(migi no uma no kami, IM 82)

ちればこそいとゞさくらはめでたけれうき世になにかひさしかるべき
Eben weil sie vergänglich sind - die Kirschblüten – sind sie doch so erhaben - in dieser flüchtigen Welt – was währt in ihr schon lange?
(Unbekannter Dichter, IM 82)

Für mich zwei sehr schöne Beispiele für waka allgemein (vielleicht auch, weil ich sie schon aus dem Bungo I Unterricht kenne). Zwar wird Freundschaft nicht direkt thematisiert, aber es handelt sich um den Austausch von Gedichten zwischen zwei Freunden.

Ich habe jetzt nicht viel zur Interpretation der Gedichte geschrieben. Das muss ich in meiner Hausarbeit erstmal noch überarbeiten. ;-)
Naja ich hatte jedenfalls mal wieder Lust was zu schreiben hier!

Bis bald dann mit dem letzten Teil vom Gikeiki und dem Sagenumwobenen Doppelsprung, wie man ihn aus dem Lesen chinesischer Klassiker lernen kann. (Damals war lesen halt noch cool)

August 17, 2008

Henning義経記 - Das Gikeiki: "Wie Benkei in der Hauptstadt Schwerter stahl" Teil 2

Und weiter gehts!

弁慶是を見て、あはれ太刀や、何ともあれ、取らんずるものをと思ひて待つ所に、後に聞けば恐ろしき人にてぞ有りける。弁慶は如何でか知るべき。
Während Benkei wartete erblickte er es und dachte: „Was für ein prächtiges Schwert! Das muss ich an mich nehmen, koste es was es wolle.“ Später sollte sich herausstellen, dass es sich hier um eine Person handelte, vor der er sich hätte in Acht nehmen sollen. Aber woher sollte er das zu diesem Zeitpunkt wissen?

御曹司は見給ひて、四辺に目をも放たれず、むくの木の下を見給ひければ、怪しからぬ法師の太刀脇挟みて立ちたるを見給へば、彼奴は只者ならず、此の頃都に 人の太刀奪ひ取る者は彼奴にて有るよと思はれて、少しもひるまずかかり給ふ。
Yoshitsune, der die Gegend wachsam im Auge behielt, sah, als er seinen Blick unter den muku-Baum schweifen ließ, dort einen verdächtig aussehenden, mit einem Schwert bewaffneten Mönch. Bei diesem Anblick dachte er sich: „Der Kerl dort ist kein gewöhnlicher Mann, das ist bestimmt der Lump der zur Zeit hier in der Hauptstadt die Schwerter klaut.“ und ohne zu zögern ging er unerschrocken voran.

弁慶さしも雄猛なる人の太刀をだにも奪ひ取る、まして是等程なる優男、寄りて乞はば、姿にも声にも怖ぢて出ださんずらん。げに呉れずは、突倒し奪ひ取らんと支度して、
Benkei hatte sich schon von vielen tapferen Männern die Schwerter genommen. Wenn er also so einem elegantem Mann sich nähern und sein Schwert einfordern würde, würden doch wohl allein schon seine Statur und Stimme Angst bei ihm hervorrufen. Sollte er es dann nicht bekommen, würde er ihn niederschlagen um zu bekommen was er wollte.

弁慶現れ出で、申しけるは、「只今静まりて敵を待つ所に怪しからぬ人の物具して通り給ふこそ怪しく在じ候へ。左右無くえこそ通すまじけれ。然らずは其の太刀此方へ 賜はりて通られ候へ」と申しければ、
Benkei trat vor und sprach: „Ich, der ich hier leise auf einen Gegner warte, finde es merkwürdig, dass ein solch verdächtiger Mann hier in voller Rüstung entlang geht. Ich kann euch nicht einfach so passieren lassen. Gebt mir euer Schwert, dann lasse ich euch ziehen.“

御曹司是を聞き給ひて、「此の程さる痴の者有りとは聞き及びたり。左右無くえこそ取らすまじけれ。欲しくは寄りて取れ」とぞ仰せられける。「さては見参に参らん」とて、太刀を抜いで飛んでかかる。御曹司も小太刀を抜いで築地の許に走り寄り給ふ。
Als Yoshitsune dies vernahm, erwiderte er: „Ich hab schon gehört, dass sich hier so ein Dummkopf rumtreibt. Von mir bekommst du nichts so einfach. Wenn du was willst, komm und hols dir.“ „Wenn das so ist, komme ich zur Audienz!“ (Anm.: So stehts wörtlich da, ich habe es so gelassen, weil es ironisch klingt) sagte Benkei, zog sein Schwert und sprang los. Auch Yoshitsune zog sein Kurzschwert und rannte in Richtung Mauer (wo Benkei stand).

August 15, 2008

Henning義経記 - Das Gikeiki: "Wie Benkei in der Hauptstadt Schwerter stahl" Teil 1

So! Nach der bestandenen B.A. Prüfung :-) hab ich mal wieder Lust gehabt was zu übersetzen! Hier also der erste Teil des 5.Kapitels der 3巻 des 義経記:


弁慶洛中にて人の太刀を奪ひ取る事
Wie Benkei in der Hauptstadt Schwerter stahl


弁慶思ひけるは、人の重宝は千揃へて持つぞ。奥州の秀衡は名馬千疋、鎧千領、松浦の太夫は胡■千腰、弓千張、斯様に重宝 を揃へて持つに、我々は代はりの無ければ、買ひて持つべき様なし。詮ずる所、夜に入りて、京中に佇みて、人の帯きたる太刀千振取りて、我が重宝にせばやと思ひ、夜な夜な人の太刀を奪ひ取る。
Benkei dachte bei sich: „Von wertvollen Dingen (Schätzen) besitzt der Mensch immer 1.000. Hidehira aus Ôshû besitzt 1.000 berühmte Pferde und 1.000 Rüstungen und der Tayû von Matsura besitzt 1.000 Köcher und 1.000 Bögen. Weil ich aber für solcherlei wertvolle Dinge kein Geld habe, kann ich mir nichts dergleichen kaufen. Deswegen will ich nachts in der Stadt umherstreifen und 1.000 Leute um die Schwerter, die sie tragen, erleichtern und diese zu meinem Schatz machen!“ und begann Nacht für Nacht Leuten ihre Schwerter zu klauen.


暫しこそ有りけれ、「当時洛中に丈一丈ばかり有る天狗法師の歩きて、人の太刀を取る」とぞ申しける。
Nach kurzer Zeit bereits wurde erzählt: „Zur Zeit streift in der Stadt ein riesiger Bergmönch (von etwa 3m Größe) umher, der Menschen ihre Schwerter klaut.“


かくて今年も暮れければ、次の年の五月の末、六月の初めまでに多くの太刀を取りたり。樋口烏丸の御堂の天井に置く。数へ見たりければ、九百九十九 こそ取りたりける。六月十七日五条の天神に参りて、夜と共に祈念申しけるは、「今夜の御利生によからん太刀与へて賜び給へ」と祈誓し、
So neigte sich das Jahr dem Ende und bis zum Ende des fünften Monats oder Anfang des sechsten hatte er viele Schwerter gesammelt. Diese lagerte er im Dachgeschoss einer buddhistischen Halle bei Higuchi Karasuma. Als er sie dann zählte, bemerkte er, dass er schon 999 Schwerter gesammelt hatte. Am abend 17ten des sechsten Monats ging er zum Tenjin von Gojô und betete: „Meine Bitte in dieser Nacht sei, dass ich ein gutes Schwert in meinen Besitz bekomme.“


夜更くれば、天神の御前 に出で、南へ向ひて行きければ、人の家の築地の際に佇みて、天神へ参る人の中に良き太刀持ちたる人をぞ待ち懸けたり。
Als es später wurde, wandte er sich vom Tenjin aus nach Süden, stellte sich unter das Vordach eines Hauses und wartete ob unter den Menschen, die zum Tenjin pilgerten, einer mit einem guten Schwert dabei ist.


暁方になりて、堀河を下りに行きければ、面白く笛の音こそ聞こえけれ。弁慶是を聞きて、面白や、さ夜更けて、天神へ参る人の吹く笛か、法師やらん男やらん、よからん太刀を持ちたらば、取らんと思ひて、笛の音の近づきければ、差し屈みて見れば、未だ若人のしろき直垂に胸板を白くしたる腹巻に、黄金造りの太刀の心も及ばぬを帯かれたり。
Während er dann zur Morgendämmerung die Horikawa-Straße entlang ging, war dort der wohlklingende Klang einer Flöte zu vernehmen. Als Benkei die Musik hörte dachte er sich: „Interessant! Das ist doch bestimmt das Flötenspiel eines Mannes der sich zu einem frühen Besuch im Tenjin begibt. Ob es wohl ein Mönch oder ein gewöhnlicher Mann ist? Sollte er ein gutes Schwert bei sich tragen, so will ich dies an mich nehmen!“ Weil der Ton der Flöte näher kam, lugte er um die Ecke und sah einen jungen Mann, gekleidet in einen weißen hitatare und einem am munaita befestigten haramaki, welcher ein goldenes, unvergleichbares Schwert an seiner Hüfte trug.

RogerShasekishu - Chih-yen

Diesmal wieder eine Uebersetzung aus dem Shasekishu.

Der Zen-Meister Chih-yen aus dem alten China hatte sich mit seinen Leistungen in der Kriegskunst sehr hervorgetan, ging jedoch mit 40 Jahren, obwohl er einen Lohn dafuer empfangen sollte, ins Kloster und beschaeftigte sich auf einem Berg mit den buddhistischen Riten. Zwei alte Kameraden kamen zu ihm und fragten ihn: "General, seid ihr verrueckt? Weshalb seid ihr Moench geworden?" Als sie das gesagt hatten antwortete er: "Ihr sagt ich soll aus meinem Wahn erwachen! Euer Wahn ist auf seinem Hoehepunkt! Das Verlangen nach Liebe und Ruhm, der Stolz auf den Erfolg, das sind die Dinge die euch im karmischen Kreislauf von Tod und Wiedergeburt halten. Wie wollt ihr dem entfliehen?" Als er dies gesagt hatte waren beide beeindruckt und verliessen ihn.

July 29, 2008

Tim芥川龍之介 - 河童 - Kapitel 6 - Teil 1

So. Nach längerer Pause geht es jetzt endlich weiter mit unseren lieben Kappas.

Kapitel 6:

Tatsächlich ist die Liebe der Kappas und die Liebe der Menschen sehr verschieden. Wenn ein Kappa-Weibchen ein Kappa-Männchen erblickt, ist ihm jedes Mittel recht, das Männchen zu fangen, und auch das rechtschaffenste Kappaweibchen verfolgt das Männchen rücksichtslos. Tatsächlich habe ich ein Kappaweibchen gesehen, das ein Kappamännchen wie verrückt verfolgt hat. Nun ja, es war nicht nur das. Sogar die Eltern und die Geschwister dieses Weibchens hatten zusammen mit ihr das Kappamännchen verfolgt. Dieses Kappamännchen ist zu bedauern. Selbst wenn es zu guter Letzt glücklicherweise nicht gefasst wird, ist es zwei, drei Monate ans Bett gebunden, weil es schließlich schonungslos geflüchtet ist. Ich habe einmal bei mir zuhause eine Gedichtsammlung von Tock gelesen. Plötzlich kam der Student Rapp hereingestürzt. Als er hereinkam, brach er sofort zusammen und sagte total außer Atem:

„Es ist furchtbar! Letzten Endes ist sie mir doch um den Hals gefallen!“

Augenblicklich warf ich die Gedichtsammlung weg und verriegelte die Tür. Aber als ich dann durch das Schlüsselloch schaute, sah ich ein kleines Kappamädchen, das sein Gesicht mit Schwefelpulver eingeschmiert hatte, immer noch vor der Tür herumlungern. Von diesem Tage an schlief Rapp mehrere Wochen lang bei mir auf dem Krankenbett. Darüber hinaus verfaulte irgendwann Rapps Schnabel und fiel schließlich ab.

July 22, 2008

Tim林芙美子 - 龜さん

Hayashi Fumiko – Die Schildkröte

Schweren Schrittes stampfte die Schildkröte, die ihr Gepäck auf ihrem Kopf festgebunden hatte, auf ihrer Reise die Landstraße entlang, die ansonsten niemand passierte. Zu beiden Seiten der Straße waren weite Kornfelder.

Über die Kornfelder blies ein sanfter, aber kühler Wind. „Ah, ich bin erschöpft. Wo könnte ich wohl hingehen, um etwas Wasser zu finden?“ Die Schildkröte hob ihren Kopf und schaute sich geduldig die Gegend an.

Von irgendwo her konnte man einen Froschchor hören. Irgendwo in dieser Gegend musste es wohl eine Froschgrundschule geben. Die Frösche sangen mit hoher Stimme. Die Schildkröte nahm das Gepäck von ihrem Haupt, kletterte mit etwas Mühe auf das Geröll und machte dort eine Pause.
„Hey du, du bist so schwer, da brech ich ja zusammen!“

Ein kleines Stimmchen war zu hören. Die Schildkröte kletterte etwas erschreckt von ihrem Stein herunter.

„Ich?“

Vor den Augen der verblüfften Schildkröte tauchte ein kleiner, sich windender Regenwurm auf. Die Schildkröte sagte erschrocken:
„Oh, du hast mich erschreckt!“

Der Regenwurm war noch ein Kind.

„Hey hey, Regenwurm. Gibt es hier in der Gegend etwas Wasser zu trinken?“,
fragte die Schildkröte. Der Regenwurm wand seinen roten Körper und erklärte der Schildkröte: „Schon direkt dort drüben gibt es etwas.“ Der Regenwurm schaute die Schildkröte an, dachte sich, dass er sie in dieser Gegend noch nie gesehen hatte und fragte sie:
„Woher kommst du?“

Die Schildkröte holte ein Zigarettenetui hervor und zündete eine Zigarette an:
„Ich komme von weit, weit her. Ich bin mit der Eisenbahn gekommen und habe zwei Tage gebraucht. Ich habe mich gefragt, ob ich vielleicht irgendwo arbeiten könnte.“

„Also bist du arm.“

„Ja, ich bin arm. Deshalb wollte ich tüchtig arbeiten, etwas Geld sparen und dann wieder zurückkehren…“

„Was arbeitest du denn?“

„Ich habe gedacht, dass ich als Umzugshelfer arbeiten könnte.“

Der Regenwurm fand das wohl komisch und lachte. Er dachte, dass wohl niemand eine alte, langsame Schildkröte bei einem Umzug um Hilfe bitten würde.

„Ich habe seit dem Morgen nichts gegessen und habe Hunger. Gibt es hier in der Nähe ein Restaurant?“

„Hier auf dem Land gibt es kein Restaurant. Hier ist das Dorf der Frösche in der Provinz der Frösche. Nun, da du hierher gekommen bist, geh zur Dorfverwaltung und mach dort eine Meldung.“

„Oh, das hier ist also das Dorf der Frösche…Was für eine Meldung soll ich machen?“

„Du solltest zur Dorfverwaltung gehen und dich kurz dem Dorfvorsteher vorstellen. Deiner Geschichte nach zu urteilen, suchst du vielleicht auch ein Gasthaus.“

„Oh, ist der Dorfvorsteher freundlich?“

„Er ist selten freundlich, aber er ist empfänglich für Schmeicheleien. Und deshalb sollte es ein leichtes sein, wenn du in der Absicht, dies zu tun, dorthin gehst.“

„Es ist ein schönes Dorf, nicht wahr. Es sieht so aus, als ob hier gleichermaßen Reiche wohnen.“

„Ach, es gibt hier kein Geld. Alle sind arm. Weil sie es lieben, zu reden, konferieren hier alle den ganzen Tag nur, ohne zu arbeiten und deshalb gibt es auch kein Geld.“

Der Regenwurm schaute in die grelle Sonne. Der Regenwurm, der einem roten Faden ähnelte, sah für die alte Schildkröte lecker aus. Weil die Schildkröte ihn furchterregend ansah, bekam der Regenwurm Angst und verkroch sich schnell wieder unter den Stein.

„Ich tue dir nichts. Weil ich mich auf einer Reise befinde, führe ich nichts Böses im Schilde. Komm wieder unter deinem Stein hervor!“

„Nein. Du sagst doch vermutlich nur jetzt etwas Nettes und schnappst mich dann, um mich zu fressen. Ich bin müde, also entschuldige mich.“

„Ach, sag so etwas nicht und komm wieder hervor.“

Aber der Regenwurm kam unter keinen Umständen wieder hervor. Die Schildkröte schloss ihr Tabaketui, band wieder ihr Gepäck auf den Kopf und zog schweren Schrittes von dannen.

Schweren, schweren Schrittes lief sie immer dieselbe Straße entlang, irgendwann aber wurde es ihr in der sengenden Sonne zu heiß und sie konnte es nicht mehr ertragen. Sie wünschte sich schnell etwas zu trinken. Als sie sich dem Dorfeingang näherte, stand dort eine wahre Stadt der Frösche. Verschiedene Läden tauchten vor ihren Augen auf. Aber das, was sie sich wünschte, gab es nicht ein einziges Mal. Froschkinder, Froschmänner und -frauen sahen die sich langsam in die Stadt bewegende Schildkröte, waren sehr erstaunt und sammelten sich an der Straße.

„Ich möchte gerne zum Rathaus. In welche Richtung muss gehen?“,
fragte die unruhig umherschauende Schildkröte. Die Frösche sahen die schäbige Schildkröte, die ihr Gepäck auf den Kopf gebunden hatte und die Straße entlanglief und fingen an zu lachen.

„Dort kommt ein fürchterliches Ding. Woher kommt es wohl? – Hey hey, verschließt schnell die Türen im Dorf, seid vorsichtig, dass sie nichts klaut…“,
sagten die boshaft scheinenden Frösche mit lauter Stimme. Die Kinder rannten zurück nach Hause. Weil niemand ihr den Weg zum Rathaus zeigte, stand die Schildkröte ratlos da. Auf Nachricht eines Kindes hin, kam ein Froschpolizist.

„Hey hey, wo kommst du her?“

„Ich bin mit dem Zug gefahren, habe zwei Tage gebraucht und bin hierher gekommen. Ich habe mich gefragt, ob ich vielleicht irgendwo arbeiten könnte.“

Der Polizist zückte seinen Notizblock und hielt alles fest.

Die Schildkröte antwortete schwitzend.

Da kam ein Froschlehrer vorbei und begleitete die Schildkröte zum Rathaus. Der Lehrer hatte Mitgefühl mit der Schildkröte.

„Die Leute dieses Dorfes wissen nichts über die Welt. Sie glauben vermutlich alle, dass es nichts so Bedeutendes wie sie selbst gibt. Wenn die Felder bewässert werden, wird in absehbarer Zeit der Kampf der Frösche anfangen. Das wird schlimm werden und deshalb bin ich, obwohl ich es niemals wollte, mit meiner Frau und meinem Kind in die Berge geflohen…“

„Oh, das hier ist ein interessanter Ort, nicht wahr?“

Als sie endlich vor das Rathaus gelangten, machte sich der Froschlehrer auf den Heimweg und verabschiedete sich, auf dass man sich noch einmal wiedersehe.

Schweren Schrittes ging die Schildkröte in das Rathaus der Frösche hinein. Vor dem Zimmer des Dorfvorstehers hatte sich eine Schlange gebildet mit einigen Reisenden, wie der Schildkröte, die warteten. Dort war eine Schmetterlingsraupe, die einen Sonnenschirm trug, ein kleines Schlangenkind, das sich verlaufen hatte, eine alte Maulwurfsdame, die einen Korb auf den Schultern trug und Spatzeneltern mit Kind, die Hüte trugen.

Als die Schildkröte hereinkam, wurden die Schmetterlingsraupen vom Dorfvorsteher hereingerufen.
Nach einer kurzen Weile kam das Schmetterlingsraupenmädchen mit vor Tränen geschwollenen Augen wieder heraus. Danach wurde die verirrte kleine Schlange aufgerufen, aber auch sie wurde sofort von zwei furchterregenden Wächtern wieder hinausgeleitet und die kleine Schlange wurde vor allen anderen in einen Drahtzaun gesteckt. Die alte Maulwurfsdame hatte in Sojasoße gebratene Wasserläufer dem Dorfvorsteher zum Geschenk gemacht und kam lachend wieder heraus. Die Spatzenfamilie redete eine lange Zeit mit dem Dorfvorsteher und kam auch munter wieder heraus.
Dann war die Schildkröte an der Reihe.

Ihr Herz pochte. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte, damit sie vom Dorfvorsteher gemocht würde.
Als sie ängstlich das Zimmer des Dorfvorstehers betrat, saß dieses auf einem Stuhl und hatte eine Brille auf.

„Ich bin eine Schildkröte aus dem Dorf des Schildkrötenteiches. Von fern her bin ich in das Dorf der Frösche aufgebrochen.“

„Hm, und was für ein Ort ist das Dorf des Schildkrötenteichs?“

„Es gibt einen großen Teich dort und viele Fische. Aber weil es dort keinen Ort zum wohnen gibt, bin ich hierher gekommen und habe mich gefragt, ob es nicht vielleicht eine Arbeit für mich hier gäbe.“

„Bist du ein guter Redner?“

„Redner?“

„Ja.“

„Ich habe noch nie in meinem Leben eine Rede gehalten. Weil ich seit meiner Geburt nur schweigend gearbeitet habe, kann ich nicht gut reden.“

„Nun, da du in dieses Dorf gekommen bist, kann es nicht sein, dass du keine Reden halten kannst. Wenn man keine eigene Meinung hat, ist es nicht gestattet, hier zu wohnen.“

„Dann habe ich ein Problem. Ich kann bloß arbeiten, aber unter keinen Umständen reden.“

Weil die Schildkröte kein Geld bekam, musste sie das Dorf der Frösche niedergeschlagen wieder verlassen.

Als es Nacht wurde, schien der schöne, runde Mond über das Kornfeld. Die hungrige Schildkröte kehrte schweren Schrittes wieder zu dem Ort zurück, an dem der Regenwurm war.

„Guten Abend, Herr Regenwurm.“

„Oh weh, was ist denn mit dir los, alte Schildkröte?“

„Ich bin aus dem Dorf der Frösche vertrieben worden und zurückgekehrt.“

„Das tut mir sehr Leid…“

„Ich habe meine Augen bereits begraben.“

Die Schildkröte nahm ihr Gepäck ab, zog ihre Beine und ihren Kopf ein und kauerte sich auf das Geröll. Aus der Nähe waren die lärmenden Reden der Frösche zu hören.

Die Schildkröte bestäubte ihren trockenen, harten Panzer mit Staub und trat ein in die Welt eines nebulösen Traumes.





July 15, 2008

Henning徒然草 第八十二段- Tsurezuregusa Kapitel 82: Kaputte und unvollständige Dinge


Wird mal wieder Zeit für ein wenig Stoff vom guten alten Herrn Kenkô. Diesmal liegt es ihm wieder am Herzen uns darauf hinzuweisen, dass Perfektion nicht das das nonplusultra ist, wie viele Menschen fälschlicherweise denken. Um seinen Punkt klar zu machen sagt er in Kapitel 82 folgendes:

Wenn Leute sagen, es sei sehr ärgerlich, wenn der Einband von Büchern (oder die Tücher die zum Schutz um Schriftrollen gelegt sind) schnell kaputt geht, dann erwidert Ton'a: "Schriftrollen, die oben und unten ausgefranzt sind und bei denen das Perlmutt abgesprungen ist, sind doch wohl famos!". Dem kann ich nur zustimmen. Wenn Leute Bücher/Schriftrollen einer Serie als hässlich bezeichnen, weil sie nicht auf gleiche Art gebunden/eingewickelt sind, so sagt der Mönch Kôyû dazu: "Menschen die unbedingt alles in einem ganzen Satz haben wollen, sind töricht. Unvollständige Sammlungen sind doch wesentlich besser." Dem kann ich auch nur beipflichten. Das Vervollständigen von alles und jedem ist schlecht. Etwas unerledigt lassen und es dabei belassen, ist interessant und verlängert den Bestand dieser Dinge. "Auch beim Bau des Kaiserpalastes ist nicht alles bis zur Perfektion gebaut worden und er blieb unvollendet" sagt auch ein Mancher. Auch in den Sutren und anderen Werken der Weisen aus früheren Zeiten, gibt es auch viele fehlende Abschnitte.

July 12, 2008

Tim芥川龍之介 - 河童 - Kapitel 5 - Teil 2

Weil die Geschichte immer besser wird, hier der Rest von Kapitel 5:

„Ich? Ich bin ein Übermensch! (Wenn man es wörtlich übersetzt: Überkappa)“

Tock sagte dies mit Stolz. Auch über die Kunst hatte er eigene Ansichten. Nach seinem Glauben wurde die Kunst durch nichts kontrolliert, sie war Kunst um der Kunst Willen. Also müsse der Künstler ein Übermensch sein, der vor allem jenseits von Gut und Böse stehe. Aber das war natürlich nicht nur Tocks alleinige Meinung. Die Dichterfreunde Tocks schienen größtenteils derselben Meinung zu sein. Ab und zu ging ich mit Tock zusammen in den Dichterklub. Dort trafen sich Dichter, Schriftsteller, Dramaturgen, Kritiker, Maler, Musiker, Bildhauer und Kunstliebhaber. Sie waren allesamt Übermenschen. Sie unterhielten sich immer lebhaft in einem Salon, der mit elektrischem Licht hell erleuchtet war. Überdies zeigten sie manchmal sehr hochmütig ihr Übermenschentum. Zum Beispiel ergriff einmal ein Bildhauer zwischen großen Töpfen mit Teufelsfarn ein junges Kappa und amüsierte sich immer und immer wieder in gleichgeschlechtlicher Liebe mit dem Jungen. Ein weiteres Mal stand eine weibliche Schriftstellerin auf dem Tisch und zeigte, wie sie sechzehn Flaschen Absinth trank. Aber als sie bei der sechzehnten Flasche vom Tisch fiel, starb sie sofort.

Eines Abends, als der Mond schön war, ging ich Arm in Arm mit Tock aus dem Dichterklub nach Hause. Tock verfiel in eine ungewöhnliche Depression und brachte nicht ein einziges Wort hervor. Dann kamen wir an einem kleinen, erleuchteten Fenster vorbei. Auf der anderen Seite des Fensters saßen ein Kappamännchen und ein –weibchen, die Eheleute zu sein schienen, und drei Kappakinder zusammen am Tisch und aßen Abendessen. Plötzlich seufzte Tock und sagte zu mir:

„Ich glaube, dass ich ein übermenschlicher Liebhaber bin, aber wenn ich das Bild dieser Familie sehe, werde ich doch neidisch.“

„Glauben sie nicht, dass sie sich damit widersprechen?“

Aber Tock stand im Schein des Mondes mit verschränkten Armen da und beobachtete durch das kleine Fenster die friedlichen fünf Kappa, die gemeinsam am Tisch saßen, um zu Abend zu essen. Und nach kurzer Zeit sagte er dann:

„Egal, was man über das Spiegelei dort sagt, es ist gesünder als Liebe.“


Und zum Schluss noch ein Spoiler: Im nächsten Kapitel geht es um die Liebesbräuche der Kappa und es wird legendary!

July 11, 2008

Tim芥川龍之介 - 河童 - Kapitel 5 - Teil 1

Kapitel 5:

Die Hilfe, die ich von Rapp erhielt, stand der Hilfe von Bagg in nichts nach. Was ich ihm vor allem nicht vergessen kann, ist, dass er mich dem Kappa Tock vorstellte. Tock war der Poet unter den Kappas. Er hatte lange Haare, wie es auch bei den menschlichen Dichtern üblich ist. Ich besuchte ihn von Zeit zu Zeit in seinem Haus, um mir die Zeit zu vertreiben. Tock hatte in seinem kleinen Zimmerchen Topfpflanzen aus dem Hochgebirge aufgestellt, schrieb Gedichte, rauchte und führte wirklich ein sorglos scheinendes Leben. Darüber hinaus war in der Ecke seines Zimmers ein Kappaweibchen, das strickte oder etwas anderes tat. (Weil Tock die freie Liebe praktizierte, hatte er keine Ehefrau.) Wenn Tock mich erblickte, lächelte er stets (Das Lächeln der Kappas ist nicht so schön. Zumindest anfangs hat es mir eher Unbehagen bereitet.) und sagte dann:

„Kommen sie näher! Nehmen sie doch bitte Platz!“

Tock hat oft vom Kappa-Leben und von den Kappa-Künsten erzählt. Nach seinem Glauben gab es nichts Blödsinnigeres als das Leben eines normalen Kappa. Das einzige Vergnügen im Leben von Eltern und Kindern, Mann und Frau, Brüdern und Schwestern ist es, sich gegenseitig zu quälen. Und besonders das Familiensystem ist eine Dummheit über allen Dummheiten. Tock zeigte einmal zum Fenster raus und sagte in einer Art und Weise, als würde er sich übergeben: „Schaut doch! Was für ein Ausmaß an Dummheit!“ Draußen auf der Straße lief keuchend ein noch recht junges Kappa herum, während, angefangen von zwei Kappas, die seine Eltern schienen, sieben oder acht Kappas an seinem Hals hingen. Aber weil ich die Aufopferungsbereitschaft dieses Kappas bewunderte, lobte ich im Gegenteil noch seine Tüchtigkeit.

„Sie eignen sich dazu, ein Bürger dieses Landes zu werden…Übrigens, sind sie ein Sozialist?“

Ich antwortete natürlich: „Qua.“ (Was in Kappa-Sprache „Ja“ bedeutet.)

„Also sollte es ihnen nichts ausmachen, wenn man für 100 Durchschnittsmenschen ein Genie opfert.“

„Was für eine Ideologie vertreten sie denn eigentlich? Irgendjemand hat mir gesagt, dass sie ein Anarchist seien…“

„Ich? Ich bin ein Übermensch! (Wenn man es wörtlich übersetzt: Überkappa)“

Henning義経記 - Das Gikeiki (Die Erzählungen über Minamoto no Yoshitsune) Vol.3



So hier nun der Rest, wieder ohne viele Worte:

何時まで君を庇ひ参らせんとて、現在の主を打ち奉るぞ。冥顕の恐も恐ろしや。八幡大菩薩も許し給へ。浅ましき世の中かな」とて、さしも猛き弁慶が伏し転び泣きければ、侍共一つ所に顔を並べて、消え入る様に泣き居たり。
„Auf ewig habe ich gelobt euch zu beschützen, aber heute hab ich euch geschlagen! Ich fürchte mich vor den Strafen in dieser und der nächsten Welt. Oh großer Boddhisatva Hachiman, verzeihe mir. Was ist dies nur für eine grausame Welt!“ und der ach so große und starke Benkei warf sich zu Boden und weinte. Auch alle anwesenden Krieger weinten bitterlich.

判官「是も人の為ならず。斯程まで果報拙き義経に、斯様に志深き面々の、行末までも如何と思へば、涙の零るるぞ」とて、御袖を濡らし給ふ。各々此の御言葉を聞きて、猶も袂を絞りけり。かくする程に日も暮れければ、泣く泣く辿り給ひけり。

Yoshitsune erwiderte: „Keinem Mensch ist hier Schuld zuzuweisen. Vielmehr kommen mir die Tränen bei dem Gedanken, dass ich von euch allen begleitet werde, auch wenn das Glück mich verlassen hat.“ und durchnässte seinen Ärmel. Als die Anderen seine Worte vernahmen drückten sie umso stärker ihre Arme ins Gesicht. Und so folgten sie unter Tränen, als der Tag sich bereits dem Ende neigte, weiter ihrem Weg.

やや有りて北の方、「三途の河をわたるこそ、著たる物を剥がるるなれ。少しも違はぬ風情かな」とて、岩瀬の森に著き給ふ。其の日は此処に泊り給ひけり。明くれ ば黒部の宿に少し休ませ給ひ、黒部四十八箇瀬の渡を越え、市振、浄土、歌の脇、寒原、なかはしと言ふ所を通りて、岩戸の崎と言ふ所に著きて、海人の苫屋に宿を借りて、夜と共に御物語有りけるに、浦の者共、搗布と言ふものを潛きけるを見給ひて、北の方かくぞ続け給ひける。
Auf dem Weg sprach Yoshitsunes Frau: „Wenn man den Fluss der drei Wege (im buddhistischen Sinn ein Totenfluss in einer Zwischenwelt) überquert, wird man seiner Kleider beraubt. Ist es mir nicht genauso widerfahren?“ und dann kamen sie im Wald von Iwase an wo sie die Nacht verbrachten. Als der Morgen anbrach legten sie kurz bei der Poststation von Kurobe eine Pause ein, überquerten dann die 48 Furten von Kurobe , durchquerten die Orte Ichifuri, Jôdo, Utanowaki, Kanbara, Nakahashi und erreichten schließlich die Iwato-Landzunge. Dort fanden sie bei einigen Fischern Unterkunft. Als sie abends zusammensaßen und sich unterhielten, sah Yoshitsunes Frau ein paar Fischerleute die nach Kajime (einer braune Alge) tauchten und dichtete:

四方の海浪の寄る寄る来つれどもいまぞ初めて憂き目をば見る

Obwohl ich mich bereits den Ufern aller Himmelsrichtungen genähert habe, ukime sehe ich heute das erste mal.

1)Das Wort ukime kann mehrere Bedeutungen haben: „bittere Erfahrung“, „Algen die auf dem Wasser schwimmen“ oder „tauchendes Mädchen“
2)
寄る寄る könnte auch 夜夜 geschrieben werden, was dann „Nacht für Nacht“ bedeuten würde

弁慶是を聞きて、忌々しくぞ思ひければ、かくぞ続け申しける。
Benkei hörte dies und weil es ihm missfiel, erwiderte er daraufhin:

浦の道浪の寄る寄る来つれども今ぞ初めて良き目をば見る

Obwohl ich mich schon vielen Ufern genähert habe, yokime sehe (verspüre) ich heute das erste mal!

3)Das Wort yokime kann in diesem Fall zwei Bedeutungen haben: „Erleichterung“ oder „hübsche Mädchen“

かくて岩戸の崎をも出で給ひて、越後の国の府、直江津花園の観音堂と言ふ所に著き給ふ。此の本尊と申すは、八幡殿安倍の貞任を攻め給ひし時、本国の御祈祷の為に直江の次郎と申しける有徳の者に仰せ付けて、三十領の鎧を賜びて、建立し給ひし源氏重代の御本尊なりければ、其の夜はそれにて夜もすがら御祈念有りけり。
Danach begaben sie sich von der Iwato-Landzunge zu der Hanazono Kannon-Halle in Naoe-no-tsu, der Hauptstadt der Provinz Echigo. Die Statue in diesem Tempel hatte Minamoto no Yoshiie während der Kampagne gegen Abe no Sadatô, um für seine Heimatprovinz zu beten zu lassen, von dem reichen Mann genannt Naoe no Jirô, der dafür 30 Rüstungen bekam, erbauen lassen. Weil diese Statue seit vielen Generationen ein Heiligtum der Minamoto war, betete Yoshitsune dort die Nacht hindurch bis zum Morgen.



Also das wars fürs erste. Ich werd bestimmt noch weitere Stellen übersetzen aus dem Buch. Mal gucken wann wieder Zeit ist.

Tim芥川龍之介 - 河童 - Kapitel 4 - Teil 3

Weil ich gerade von Geburten rede, möchte ich noch gleich von einem großen Poster erzählen, das ich zufällig an einer Straßenecke entdeckt hatte, als ich gerade drei Monate in diesem Land war. Unten auf dem großen Poster waren zwölf oder dreizehn Kappa abgebildet, die Trompete bliesen oder ein Schwert trugen. Der gesamte obere Teil war übersät mit der von den Kappas gebrauchten Spiralschrift, die den Spiralfedern einer Uhr glich. Wenn man diese Spiralschrift übersetzt, bedeutet es grob Folgendes. Auch hier kann ich mich bei Kleinigkeiten irren. Aber ich schrieb jedes einzelne Wort nieder, das mir der Kappastudent namens Rapp, der mich begleitete, mit lauter Stimme vorlas.

______________________________________________
Gesunde Kappa-Männer und Kappa-Frauen,
euch zum Dienst im Erblichkeitsfreiwilligenkorps!!!
Um die schlechten Erbanlagen auszurotten,
heiratet nicht gesunde Kappa-Männer und Kappa-Frauen!!!
______________________________________________


Natürlich habe ich zu dieser Zeit Rapp wissen lassen, dass solch eine Sache nicht durchführbar sei. Plötzlich begann nicht nur Rapp, sondern alle Kappa, die um das Poster herum standen, laut zu lachen.

„Nicht durchführbar? Ich glaube, dass du selbst erzählt hast, dass man es in deiner Welt genauso macht, wie wir. Wieso verliebt sich denn ein ehrenwerter Sohn in ein Dienstmädchen oder wieso verliebt sich ein Mädchen aus ehrenwertem Haus in einen Chauffeur? Das ist unbewusstes Ausrotten von schlechten Genen! Ist denn unser Freiwilligenheer nicht sehr edel im Vergleich zu euren, die, wie du mir selbst anfangs erzählt hast, sich gegenseitig töten, um dem anderen eine Eisenbahn zu entreißen?“

Während Rapp dies voller Ernst sagte, wogte sein dicker Bauch unentwegt hin und her, als müsse er das Lachen unterdrücken. Aber ich war weit davon entfernt, zu lachen, denn ich versuchte hastig, ein Kappa zu ergreifen. Denn ich bemerkte, dass dieses Kappa meinen Füllfederhalter klaute, weil es wohl gesehen hat, dass ich unachtsam war. Aber Kappas mit ihrer glitschigen Haut sind für uns Menschen nicht einfach zu fassen. Auch dieses Kappa war aalglatt und als ich es ergreifen wollte, floh es blitzschnell. Es hatte seinen Körper, der so dünn war wie der einer Mücke, vorgebeugt, so dass man glauben könnte, er würde hinfallen.

July 10, 2008

Tim芥川龍之介 - 雪

Akutagawa Ryunosuke – Schnee

Eines bewölkten Winternachmittages konnte ich aus dem Fenster des Zuges der Chûô-Bahnlinie von Tôkyô hinaus eine Gebirgskette sehen. Die Berge waren natürlich komplett weiß. Aber es war weniger der Schnee, sondern vielmehr eine Farbe, die der Haut der Gebirgskette nahe kommt. Während ich diese Berge so betrachtete, erinnerte ich mich plötzlich an ein kleines Ereignis…

Es war vor vier, fünf Jahren, ebenfalls an einem bewölkten Winternachmittag im Atelier eines Freundes. Ich unterhielt mich vor dem heruntergekommenen Gussofen mit ihm und seinem Model. In dem Atelier gab es außer einem Ölbild seiner selbst keinerlei Dekoration. Und das Model mit dem Bubikopf und der Zigarette im Mund...Ihre schöne Erscheinung wirkte, als trage sie einen Hauch eines Mischlingskindes in sich. Aber aus welchen Gründen auch immer, hatte sie ihre natürlichen Wimpern ausgezupft, ohne auch nur eine einzige übrig zu lassen…

Das Gespräch ging irgendwann über in ein Gespräch über die strenge Kälte, die es zu der Zeit hatte. Er erzählte uns, wie der Boden seines Gartens die Jahreszeiten fühlte. Und wie der Boden seines Gartens ganz besonders den Winter fühlte.

„Mit anderen Worten gesagt, macht es den Eindruck, als sei der Boden lebendig.“

Er stopfte seine Pfeife mit Tabak und betrachtete abwechselnd unsere beiden Gesichter. Ich nippte an meinem geruchlosen Kaffee, ohne eine Antwort zu geben. Aber auf das Model mit dem Bubikopf schien er einen tiefen Eindruck gemacht zu haben. Sie hob ihre roten Augenlider, blies Rauchringe in die Luft und starrte hindurch. Dann, ihren Blick weiter in die Luft gerichtet und ohne sich an jemanden direkt zu wenden, sagte sie Folgendes:

„Mit der Haut ist es dasselbe. Nachdem ich in diesem Gewerbe angefangen hatte, ist meine Haut ganz rau geworden.“

Eines bewölkten Winternachmittages konnte ich aus dem Fenster des Zuges der Chûô-Bahnlinie von Tôkyô hinaus eine Gebirgskette sehen. Die Berge waren natürlich komplett weiß. Aber es war weniger der Schnee, sondern vielmehr eine Farbe, die der rauen Haut der Menschen nahe kommt. Während ich diese Berge so betrachtete, erinnerte ich mich plötzlich an das Model, mit nicht einer einzigen Wimper; der jungen, japanischen Frau, die ein wenig so aussah, als wäre sie ein Mischlingskind.

July 09, 2008

Tim芥川龍之介 - 河童 - Kapitel 4 - Teil 2

Behave! Es folgt ein Absatz, der allein schon Rashomon ganz weit in den Schatten stellt!

Aber andererseits ist aus der Sicht von uns Menschen betrachtet, wohl nichts komischer als Geburt eines Kappa. Zum Beispiel ging ich kurze Zeit später in Baggs Häuschen, um bei der Entbindung seiner Gattin zuzuschauen. Wenn Kappas entbinden, sind die äußeren Umstände dieselben wie bei uns Menschen. Auch sie bekommen bei der Geburt Hilfe eines Arztes und einer Geburtshelferin. Wenn aber die Frau kurz davor ist, zu gebären, führt der Mann, als würde er telefonieren, seinen Mund an den Intimbereich der Frau und fragt mit lauter Stimme: „Willst du in diese Welt geboren werden? Überlege es dir gut und gib mir dann Antwort!“ Auch Bagg kniete sich hin und wiederholte dies mehrmals. Dann gurgelte er mit etwas Desinfektionsmittel, das auf dem Tisch stand. Es schien so, als fühlte sich das Kind im Bauch der Mutter kurze Zeit befangen und antwortete dann mit leiser Stimme:

„Ich will nicht geboren werden! Erstens ist die Geisteskrankheit, die ich von meinem Vater geerbt habe, schlimm. Und zweitens glaube ich, dass das Dasein eines Kappa ein Schreckliches ist.“

Als Bagg diese Antwort hörte, kratzte er sich verlegen am Kopf. Aber die zufällig zugegen seiende Geburtshelferin führte plötzlich eine dicke Glasröhre in das Geschlechtsorgan von Baggs Frau ein und injizierte ihr irgendeine Flüssigkeit. Als wäre sie sehr erleichtert, entwich der Frau ein großer Seufzer. Gleichzeitig schrumpfte der bis dato große Bauch, wie ein Luftballon, aus dem Wasserstoff strömt.

Wegen einer solchen Antwort wissen wir, dass Kappas, sobald sie geboren werden, selbstverständlich laufen und reden. Wie Chuck einmal erzählte, gab es ein Kind, das am sechsundzwanzigsten Tag nach seiner Geburt bereits einen Vortrag über die Existenz von Göttern hielt. Aber er sagte auch, dass dieses Kind dann mit zwei Monaten starb.

July 08, 2008

Tim芥川龍之介 - 河童 - Kapitel 4 - Teil 1

Um meinen Output mal wieder zu erhöhen, gibt es den nächsten Teil aus der Kappawelt:

Kapitel 4:

Ich konnte mir langsam die alltäglich gebrauchten Wörter der Kappas merken. Ich nahm auch die Sitten und Gebräuche der Kappas an. Dabei ist das Seltsamste, dass die Kappas das, was wir als ernst erachten, äußerst lustig finden und dass das, was wir Menschen lustig finden, für ein Kappa sehr ernst ist – so unzusammenhängend sind die Bräuche. Zum Beispiel nehmen wir Menschen Gerechtigkeit und Menschlichkeit sehr ernst, aber wenn ein Kappa das hört, hält es sich den Bauch und fängt laut an zu lachen. Mit anderen Worten sind ihre Vorstellungen von Humor und unsere Vorstellungen von Humor vermutlich komplett unterschiedlich. Einmal unterhielt ich mich mit dem Arzt Chuck über Geburtenkontrolle. Plötzlich riss Chuck seinen Mund weit auf und begann, so stark zu lachen, dass ihm sein Zwicker von der Nase fiel. Ich wurde natürlich ärgerlich und fragte ihn, was so lustig daran sei. Das, was er mir antwortete, war größtenteils Folgendes. Vielleicht mag ich mich bei Kleinigkeiten irren. Schließlich konnte ich zur jener Zeit die Sprache der Kappas nicht komplett verstehen.

„Ich finde es merkwürdig, ausschließlich an die Umstände der Eltern zu denken. Das ist ziemlich egoistisch!“

Aber andererseits ist aus der Sicht von uns Menschen betrachtet, wohl nichts komischer als die Geburt eines Kappa.


Und damit schließe ich für heute als Rache für den Cliffhanger aus dem Yoshitsune-ki!!!

July 06, 2008

Henning義経記 - Das Gikeiki (Die Erzählungen über Minamoto no Yoshitsune) Vol.2


So ohne viel rumgerede geht es weiter:

北の方は余りの御心憂さに声を立てても悲しむばかりに思し召しけれども、流石人目の繁ければ、さらぬ様にて御座しけり。平権守是を見て、「すべて羽黒山伏程情無き者は無かりけり。「判官にてはなし」と仰せらるれば、さてこそ候はんずるに、あれ程痛はしく情無く打ち給へるこそ心憂けれ。詮ずる所、是は某が打ち参らせたる杖にてこそ候へ。かかる御労はしき事こそ候はね。是に召し候へ」とて、
Obwohl Yoshitsunes Frau versucht war vor lauter Kummer laut zu klagen, hielt sie sich, weil so viele Leute anwesend waren, doch zurück. „Es gibt niemand grausameren als ein Mönch aus Haguro.“,sprach  Hei Gon-no-kami, „ Hättet ihr gesagt „Dies ist nicht Yoshitsune“ so wäre es genug gewesen. Aber dass ihr ihn so brutal und gnadenlos verprügelt habt, war wahrhaft schmerzlich anzusehen. Anders gesagt, es war so als wäre ich selber geschlagen worden.Solch grausame Tat wäre doch nicht nötig gewesen! Bitte steigt wieder ein.“

船を差し寄する。橄取乗せ奉りて申しけるは、「さらばはや船賃なして越し給へ」と言へば、
Er zog das Boot heran, führte sie an Bord und sagte: „So, nun bezahlt und zieht von dannen.“

「何時の習ひに羽黒山伏の船賃なしけるぞ」と言ひければ、
„Seit wann müssen den Mönche aus Haguro für eine Überfahrt bezahlen?“

「日頃取りたる事は無けれども、御坊の余りに放逸に御座すれば、取りてこそ渡さんずれ。疾く船賃なし給へ」とて船を渡さず。
„Es ist nicht so, dass es immer so ist, dass sie bezahlen müssen, aber wenn sich ein Mönch allzu aufmüpfig verhält kommt er nicht ohne Entgelt weiter, also bezahlt endlich!“, sagte der Fährmann und ließ das Schiff nicht los.

弁慶、「和殿斯様に我等に当たらば、出羽の国へ一年二年のうちに来たらぬ事はよも有らじ。酒田の湊は此の少人の父、 酒田次郎殿の領なり。只今当たり返さんずるものを」とぞ威しけり。
Darauf erwiderte Benkei: „Falls ihr uns aufhaltet, solltet ihr lieber die nächsten ein oder zwei Jahre nicht in die Provinz Dewa kommen. Der Vater dieses Jungen hier, ist  Sakata no Jirô, der Verwalter des Hafens von Sakata. Ihr würdet dort zurück bekommen, was euch zusteht.“

然れども権守、「何とも宣へ、船賃取らで、えこそ渡すまじけれ」とて渡さず。
Aber der Fährmann sprach: „Sprecht was ihr wollt, wenn ihr nicht bezahlt, lass ich euch nicht weiter“, und ließ das Schiff immer noch nicht los.

弁慶、「古へ取られたる例は無けれ共、此の僻事したるによつて取らるるなり」と「さらばそれ賜び候へ」とて、
„Das ist ja wirklich unerhört, das muss ich mir wohl durch üble Taten verdient haben“, sprach Benkei, „Könntet ihr mir das bitte geben?“

北の方の著給へる帷の尋常なるを脱がせ奉りて、渡守に取らせけり。権守是を取りて申しけるは、「法に任せて取りては候へども、あの御坊のいとほしければ参らせん」とて、判官殿にこそ奉りける。武蔵坊是を見て、片岡が袖を控へて、「痴がましや、只あれもそれも同じ事ぞ」と囁きける。
Er bat Yoshitsunes Frau um das edle Tuch welches sie trug und wollte es dem Fährmann geben. Dieser nahm es entgegen und sagte: „Nach dem Gesetz sollte ich dies an mich nehmen, aber dieser Mönch dort hat so sehr leiden müssen“ und gab das Tuch an Yoshitsune. Benkei zupfte Kataoka am Ärmel und flüsterte: „Das ich nicht lache! Was ihm gehört, gehört auch ihr!“

かくて六動寺を越えて、奈呉の林をさして歩み給ひける。武蔵忘れんとすれ共、忘られず。走り寄りて判官の御袂に取り付きて、声を立てて 泣く泣く申しけるは、
Alsbald hatten sie den Rokudôji hinter sich gelassen und wanderten in Richtung des Waldes von Nago. Benkei versuchte zu vergessen was er getan hatte, aber er konnte nicht. Er hastete auf Höhe seines Herren, ergriff dessen Ärmel und sprach mit weinerlicher Stimme....

Und wie es weiter geht erfahrt ihr sobald ich wieder Zeit habe zu übersetzen. Tut mir Leid für den Cliffhanger (war Absicht).

July 03, 2008

Henning義経記 - Das Gikeiki (Die Erzählungen über Minamoto no Yoshitsune) Vol.1


Heute habe ich mich mal hingesetzt und einen Abschnitt aus dem 義経記 (Gikeiki) übersetzt. Das Werk ist eine Sammlung von Legenden und Erzählungen über den berühmten General des Genpei-Krieges (1180-1185) Minamoto no Yoshitsune (源義経, 1159-1189). Trotz seiner Erfolge gerät er (wie auch zum Beispiel im Heike Monogatari erwähnt) in Missgunst bei seinem Bruder, dem Shôgun und Oberhaupt des Kamakura-bakufu, Minamoto no Yoritomo (源頼朝), der nun die Macht im Lande auf sich vereint und wird nach Ende des Krieges von dessen Schergen verfolgt.
Die Figur des tragischen Helden, die Yoshitsune verkörpert, erfreut sich auch heute in Japan noch großer Beliebtheit.
Das Gikeiki (wobei Gikei nur die chinesische Lesung des Namen Yoshitsune ist) entstand vermutlich gegen Ende des 14. Jahrhunderts, also ca.200 Jahre nach Yoshitsunes Tod (deshalb kein historisch ernst zu nehmendes Werk).
Das Kapitel was ich heute zum Teil übersetzt habe, stammt aus dem letzten drittel des Werkes, welches sich eigentlich nur noch mit der Flucht Yoshitsunes und dessen Tod auseinandersetzt.
Hauptakteur in diesem Teil des Werkes ist eigentlich eher Yoshitsunes treuer Begleiter und Freund Benkei, der Kriegermönch. Er übernimmt während der Flucht Yoshitsunes vor den Schergen aus Kamakura mehr oder weniger die Sache in die Hand, da Yoshitsune durch sein Unglück gelähmt, neudeutsch "Emo", ist.
Beim Versuch den Fluss zu überqueren kommt es zu einer dramatischen Szene...

巻七 (Buch 7)

Kapitel: 如意の渡にて義経を弁慶打ち奉る事
           Wie Benkei bei der Passage von Niyoi Yoshitsune verprügelte

夜も明けければ、如意の城を船に召して、渡をせんとし給ふに、渡守をば平権守とぞ申しける。
Als die Nacht dem Tage wich und die Gefolgschaft bei Niyoi-no-jô übersetzen wollten, sprach der Fährmann genannt Hei Gon-no-gami:

彼が申しけるは、「暫く申すべき事候ふ。是は越中の守護近き所にて候へば、予て仰せ蒙りて候ひし間、山伏五人三人は言ふに及ばず、十人にならば、所へ仔細を申さで、渡したらんは僻事ぞと仰せ付けられて候ふ。既に十七八人御渡り候へば、怪しく思ひ参らせ候ふ。守護へ其の様を申し候ひて渡し参らせん」と申しければ、
„Ich muss euch kurz etwas sagen! Hier in der Nähe wohnt der Militärgouverneur von Etchû von dem ich die Anweisung erhalten habe, dass wenn drei oder fünf Mönche daher kämen, dies nicht weiter der Rede wert wäre. Im Falle von zehn Mönchen oder mehr, wurde mir jedoch befohlen, dass ohne vorher Bericht erstattet zu haben, ich niemanden gewähren lassen soll. Da ihr aber ganze 17, 18 Leute seit, sollte ich Vorsicht walten lassen. Ich werde dem Gouverneur berichten und will euch dann passieren lassen!“

武蔵坊是を聞きて、妬げに思ひて、「や殿、さりとも此の北陸道に羽黒 の讚岐見知らぬ者やあるべき」と申しければ、
Als Benkei dies hörte, sagte er verärgert: „Mein Herr, sollte es etwa auf dem Hokurokudô jemanden geben, der Sanuki aus Hakuro nicht kennt?“

中乗に乗つたる男、弁慶をつくづくと見て、「実に実に見参らせたる様に候ふ。一昨年も一昨々年も、上下向毎に御幣とて申し下し賜はりし御坊や」と申しければ、
Ein Mann aus der Mitte des Bootes blickte Benkei an und sprach: „Ja wirklich! Ich habe ihn schon einmal gesehen. Vorletztes Jahr und das Jahr davor hat mich dieser Mönch bei meiner Reise zur Hauptstadt und zurück gesegnet (mit einem Stab an dem Papierstreifen hängen)!“

弁慶嬉しさに、「あ、よく見られたり見られたり」とぞ申しける。権守申しけるは、「小賢しき男の言ひ様かな。見知り奉りたらば、和男が計らひに渡し奉れ」と申しければ、
Benkei erwiderte freudig: „Ahh! Gut bemerkt, gut bemerkt“. Daraufhin sprach Gon-no-kami: „Ganz schön naseweiß, eure Rede! Wenn ihr ihn denn so gut kennt, sollte vielleicht euer Urteil ihnen das Weiterziehen erlauben!“

弁慶是を聞きて、「抑此の中にこそ九郎判官よと、名を指して宣へ」と申しければ、「あの舳に村千鳥の摺の衣召したるこそ怪しく思ひ奉れ」と申しければ、
„Also, sollte sich Yoshitsune tatsächlich eurer Meinung nach unter diesen Leuten befinden, so deutet doch mit dem Finger auf ihn.“, schlug Benkei vor. „Der dort auf dem Bug, der die Robe mit den vielen kleinen Vögeln als Muster trägt, scheint mir verdächtig“

弁慶「あれは加賀の白山より連れたりし御坊なり。あの御坊故に所々にて人々に怪しめらるるこそ詮無けれ」と言ひけれども、返事もせで打ち俯きて居給ひたり。
Benkei sprach: „ Das ist dieser Mönch der uns seit Shiroyama in Provinz Kaga begleitet. Wegen diesem Kerl werden wir überall und von allen verdächtigt, welch Ärgernis!“ Yoshitsune, der dies vernahm, antwortete jedoch nicht sondern senkte bloß den Kopf.

弁慶腹立ちたる姿になりて、走り寄りて舟端を踏まへて、御腕を掴んで肩に引つ懸けて、浜へ走り上がり、砂の上にがはと投げ棄てて、腰なる扇抜き出だし、労はしげも無く、続け打ちに散々にぞ打ちたりける。見る人目もあてられざりけり。
Benkei, welcher nun ziemlich wütend erschien, nahm Anlauf, sprang auf das Boot, packte seinen Herren am Ärmel, zog ihn über seine Schulter und sprang mit ihm in Richtung Strand wo er ihn in den Sand schmetterte. Daraufhin zog er den Fächer, der an seiner Hüfte befestigt war und schlug damit gnadenlos und unerbittlich auf ihn ein.  Die anderen Anwesenden konnten diesen Anblick nicht ertragen und wandten sich ab.


FORTSETZUNG FOLGT

June 28, 2008

Tim芥川龍之介 - 河童 - Kapitel 3

Kapitel 3:

Bevor ich mit dieser Geschichte fortfahre, muss ich noch etwas über die Kappas erklären. Das Kappa ist ein Tier, an dessen Existenz immer noch gezweifelt wird. Aber da ich selbst unter ihnen gelebt habe, gibt es nicht den geringsten Raum für Zweifel. Wenn man fragt, was für ein Tier das Kappa ist, so kann ich sagen, dass es natürlich kurze Haare auf dem Kopf hat und Schwimmhäute an Händen und Füßen. Es unterscheidet sich auch nicht deutlich von den Wesen, wie sie im „Bericht über den Wassertiger“ vorkommen. Ihre Körpergröße ist ungefähr einen Meter und ihr Gewicht beläuft sich nach Angaben des Arztes Chuck zwischen 20 und 30 Pfund – es soll auch Fälle geben von 50 Pfund schweren, seltenen Großkappas. In der Mitte des Kopfes haben sie eine ovale Platte, die mit zunehmendem Alter sich mehr und mehr verhärten soll. Und tatsächlich fühlt sich die ovale Platte bei dem alten Bagg komplett anders an als bei dem jungen Chuck. Aber das Merkwürdigste ist vermutlich die Hautfarbe der Kappas. Ein Kappa hat nicht wie wir Menschen eine bestimmte Hautfarbe. Die Farbe passt sich der Farbe ein jeder Umgebung an – im Gras zum Beispiel ändert sich die Farbe in grün, wenn sie sich auf Felsen aufhalten, wird ihre Hautfarbe grau. Das ist natürlich nicht nur bei Kappas so, sondern auch bei Chamäleons. Vermutlich haben Kappas neben der Hautstruktur noch etwas mit Chamäleons gemein. Als ich dies entdeckt hatte, fiel mir eine ethnologische Studie ein, die besagte, dass Kappa in den westlichen Gegenden eine grüne Hautfarbe haben und Kappas im Nordosten rot sind. Ich erinnere mich auch daran, dass, als ich einmal Bagg verfolgte, man plötzlich nicht mehr sehen konnte, wo er war. Darüber hinaus kann man sehen, dass Kappas unter ihrer Haut eine sehr dicke Fettschicht haben und obwohl die Temperaturen in ihrem Land unter der Erde vergleichsweise niedrig sind, kennen sie keine Kleidung. (Die Durchschnittstemperatur beträgt ungefähr 50 Grad Fahrenheit.) Natürlich hat vermutlich ein jedes Kappa eine Brille auf und trägt eine Zigarrenkiste und einen Geldbeutel mit sich. Aber weil Kappas einen Bauchbeutel wie Kängurus haben, ist es besonders praktisch, wenn sie ihre Sachen verstauen wollen. Was ich wirklich merkwürdig fand, war, dass Kappas nur ihren Rücken nicht verhüllen. Einmal fragte ich Bagg, wieso das so sei. Sofort warf sich Bagg zurück und hörte nicht mehr auf, laut zu lachen und antwortete noch dazu: „Ich finde es sehr lustig, was du verhüllst.“

June 27, 2008

Tim芥川龍之介 - 河童 - Kapitel 2 - Teil 3

Jeden Tag, wenn es dunkel wurde, empfing ich in diesem Zimmer Chuck oder Bagg und lernte die Sprache der Kappas. Aber es waren nicht nur diese beiden, die mich besuchen kamen. Weil alle mir gegenüber, dem „Bürger, der unter besonderem Schutz steht“, neugierig waren, tauchten viele Kappas bei mir auf, so auch Geeru, dem Vorsitzenden einer Glasfabrik, der jeden Tag, um sich den Blutdruck messen zu lassen, eigens Chuck zu sich rief. Aber derjenige, mit dem ich im ersten halben Monat die meiste Zeit verbrachte, war definitiv Bagg gewesen.

Es war an einem lauen Abend. Ich saß an dem Tisch in meinem Zimmer Bagg gegenüber. Ich weiß nicht, was er sich dachte, als er plötzlich verstummte, die Augen immer weiter aufriss und mich anstarrte. Weil ich es natürlich seltsam fand, fragte ich ihn: „Quax, Bag, quo quel quan?“ Auf Japanisch übersetzt hieß es ungefähr: „Hey Bagg, was ist los?“ Aber Bagg antwortete nicht. Dann stand er auch noch plötzlich auf, streckte mir die Zunge heraus und machte den Eindruck, als wolle er mich anspringen wie ein Frosch. Mir wurde immer mulmiger zumute, ich erhob mich vorsichtig von meinem Stuhl und wollte mit einem Satz zur Tür herausspringen. Aber just in diesem Augenblick tauchte zum Glück Chuck, der Arzt auf.

„Hey Bagg, was machst du da?“

Mit seinem Zwicker auf der Nase blickte er Bagg scharf an. Man sah sofort die Angst in Bagg fahren und während er immer wieder die Hände zu seinem Kopf erhob, entschuldigte er sich bei Chuck mit folgenden Worten:

„Es tut mir wirklich sehr, sehr Leid. Aber weil es so lustig ist, wenn sich der Herr so erschrickt, habe ich mich zu diesem Streich hinreißen lassen. Bitte verzeihen auch Sie mir, mein Herr.“

Tim芥川龍之介 - 河童 - Kapitel 2 - Teil 2

Chuck kam zwei- bis dreimal am Tag, um mich zu untersuchen. Und alle drei Tage kam auch das Kappa das mich zuerst entdeckt hatte, ein Fischer namens Bagg, um sich nach mir zu erkundigen. Die Kappas wissen sehr viel mehr über uns Menschen, als wir Menschen über die Kappas. Das liegt vermutlich daran, dass die Kappas viel mehr Menschen fangen, als wir Kappas. Auch wenn das Wort „fangen“ vielleicht nicht zutreffend ist, sind wiederholt Menschen vor mir in das Land der Kappas gekommen. Außerdem lebten viele davon dann ihr ganzes Leben im Land der Kappas. Und warum das so ist, werden sie sehen. Wir Menschen haben nämlich das Privileg gegenüber den Kappas, dass wir dort essen können, ohne zu arbeiten. Bagg erzählte mir zum Beispiel, dass ein junger Straßenarbeiter zufällig in dieses Land gekommen war, sich ein weibliches Kappa zur Frau genommen hatte und dort bis zu seinem Tode lebte. Aber dieses weibliche Kappa war nicht nur das schönste im ganzen Land, sondern betrog ihren Ehemann, den Straßenarbeiter, regelmäßig mit großem Geschick.

Nachdem ich dort circa eine Woche war, wurde ich nach dem Gesetz dieses Landes zu einem „Bürger, der unter besonderem Schutz stand“ und lebte fortan als Nachbar von Chuck. Mein Haus war bei seiner Fertigstellung zwar relativ klein, aber sehr hübsch. Natürlich gibt es zwischen der Kultur der Kappas und der Kultur der Länder der Menschen, zumindest der Japans, keinen großen Unterschied. In einer Ecke des Gästezimmers, das an einer befahrenen Straße lag, stand ein Piano, an einer Wand hing eine gerahmte Radierung. Aber dass sowohl die Maße des Hauses, als auch die des Tischs und der Stühle an die Körpergröße der Kappas angepasst waren, empfand ich als einziges als unangenehm, als hätte man mich in ein Kinderzimmer geführt.

June 26, 2008

Tim芥川龍之介 - 河童 - Kapitel 2 - Teil 1

Kapitel 2:

Als ich dann endlich wieder das Bewusstsein erlangte und mich umsah, lag ich auf dem Rücken und war umringt von vielen Kappas. Neben mir kniete ein Kappa mit einem Zwicker auf seinem dicken Schnabel und hörte mit einem Stethoskop meine Brust ab. Als dieses Kappa meine geöffneten Augen sah, gab es mir mit einer Geste zu verstehen, dass ich ruhig sein sollte, und rief zu irgendwelchen Kappa nach hinten: „Quax Quax“. Sofort kamen zwei Kappa angelaufen, die eine Tragbahre mit sich führten. Ich wurde auf die Tragbahre gelegt und sachte einige hundert Meter durch die Horde von Kappas getragen. Und was sich hier zu meinen beiden Seiten bot, unterschied sich nicht im Geringsten von den Straßen von Ginza. Im Schatten der Keyaki-Bäume waren die Markisen einiger Läden aneinander gereiht und auf den mit Bäumen gesäumten Straßen fuhren unzählige Autos.

Bald darauf merkte ich, wie die Tragbahre, auf der ich lag, in eine schmale Seitenstraße abbog und ich in ein Haus getragen wurde. Es war, wie ich später erfahren habe, das Haus von dem Kappa mit dem Zwicker, einem Arzt namens Chuck. Chuck legte mich auf ein ordentlich zurechtgemachtes Bett. Dann ließ er mich ein Glas durchsichtiger Arznei trinken. Ich ließ mich von Chuck ins Bett legen, denn in Wahrheit konnte ich mich nicht einmal richtig bewegen, weil mir die Gelenke weh taten.

Roger徒然草 - Tsurezuregusa 81

Sieht man ungeschickt und geschmacklos ausgeführte Bilder oder Gedichte auf Wandschirmen oder Schiebetüren, so denkt man nicht zuerst an deren Hässlichkeit, sondern muß unwillkürlich an den fehlenden Geschmack des Hausherren denken. Im Allgemeinen ist es wohl so, dass die alltäglichen Besitztümer einer Person Rückschlüsse auf ihren Geschmack zulassen. Es besteht keinesfalls eine Verpflichtung nur Vorzüglichs zu besitzen. Doch aus Angst, etwas zu beschädigen, macht man es noch hässlicher und in dem Wunsch, etwas seltenes zu besitzen, häuft man unnütze Dinge an und verlangt nach störendem Tand. Dinge, die nach alter Art sind, nicht zu übertrieben gestaltet und nicht zu teuer waren und die von guter Qualität sind, sind am besten.

June 22, 2008

Tim芥川龍之介 - 河童 - Kapitel 1 - Teil 2

Und dann sah ich zum ersten Mal ein Kappa. Von dem Felsen hinter mir blickte das Kappa, wie man es von Bildern kennt, das in der einen Hand einen Birkenstamm umklammerte und mit der anderen Hand die Augen beschattete, staunend auf mich herab.
Starr vor Schreck saß ich einen Moment da, ohne mich zu bewegen. Man konnte sehen, dass das Kappa ebenfalls erschreckt war, denn es bewegte nicht einmal die Hand, die es über die Augen gehalten hatte. Dann sprang ich auf einmal schnell auf und stürzte mich auf das Kappa, das auf dem Felsen stand. Im gleichen Augenblick aber flüchtete das Kappa. Nein, es schien mir nur wahrscheinlich, dass es geflüchtet war. In Wirklichkeit aber wich es flink zurück und plötzlich irgendwohin verschwunden. Immer noch verwundert sah ich mich im halbhohen Bambusgras um. Da sah ich das Kappa, das bereit war zu flüchten und aus einer Entfernung von zwei, drei Metern auf mich zurückblickte. Aber das fand ich nicht merkwürdig. Was aber für mich unerwartet war, war die Farbe seines Körpers. Das Kappa, das mich vom Felsen aus betrachtete, war ganz grau gewesen. Jetzt aber hatte sich die Farbe geändert und das Kappa war nun komplett grün. Ich rief laut „Verdammt!“ und stürzte mich noch einmal auf das Kappa. Und natürlich flüchtete das Kappa. Für ungefähr dreißig Minuten verfolgte ich das Kappa blindlings, schlug mich durch das halbhohe Bambusgras und übersprang die Felsen.
Die Geschwindigkeit des Kappa stand der eines Affen in nichts nach. Während ich ihn wie im Wahn verfolgte, verlor ich seine Gestalt ein paar Mal aus den Augen. Darüber hinaus rutschte ich oftmals aus und fiel hin. Als es unter eine große Rosskastanie mit dicken Ästen kam, versperrte glücklicherweise ein weidender Stier dem Kappa den Weg. Es war ein Stier mit dicken Hörnern und blutunterlaufenen Augen. Als das Kappa den Stier sah, schrie es auf und sprang mit einem Mal kopfüber in hohes Bambusgras. Ich dachte „Jetzt hab ich dich!“ und sprang ihm unvermittelt nach. Aber dort war vermutlich ein Loch gewesen, das ich nicht bemerkt hatte. Als ich dachte, ich würde endlich den glitschigen Rücken des Kappa mit meinen Fingerspitzen berühren, stürzte ich plötzlich in tiefe Finsternis. In solch kritischen Momenten denken wir Menschen oft die absurdesten Dinge. In dem Moment, in dem ich dachte „Oh!“, fiel mir die Brücke neben der Herberge an den heißen Quellen von Kamikôchi ein, die „Kappa-Brücke“ genannt wurde. Und dann – was dann geschah, daran erinnere ich mich mehr. Ich sah vor meinen Augen nur etwas, das einem Blitz ähnelte und verlor dann irgendwann das Bewusstsein.

June 21, 2008

Henning沙石集 - Die tiefe Wahrheit der Kunst des Waka

Nun zu etwas ganz anderem!
Tim hat ja bereits Auszüge aus dem 沙石集 (shasekishû) gepostet. Ein zutiefst buddhistisch geprägtes Schriftstück.
Ein hervorragendes Werk möchte man meinen. Allein das Lesen der Überschriften ist schon ein Schritt in Richtung Erleuchtung, mindestens ist es jedoch ein kathartisches Lese-Erlebnis. Allerdings ist es Aufgrund buddhistischer Terminologie nicht immer leicht zugänglich.
In anderen Worten, wie einige vielleicht sagen würden: 50% sind Blubberblubber

Hier mein Versuch (in keinster Weise eine ausgereifte Übersetzung):

12: Die tiefe Wahrheit der Kunst des Waka

Denkt man über den einen Weg des Waka nach und versteht, merkt man das sie die Wirkkraft haben das aufgewühlte Herz zu stoppen und den Geist zu beruhigen. Ferner sind es wenige Worte, die im Geist verweilen. Die Lehren der Sôji (allumfassenden Texte, wahre Worte) sollte enthalten sein. Die so genannten Sôji sind nämlich Darani (magische Formeln). Die Götter unseres Landes sind die wichtigsten Inkarnationen der Buddhas und Bodhisattvas. Bereits Susanoo no mikoto in seinem „Der achtfaltige Zaun von Izumo (Izumo yaegaki)“ (das erste Waka Gedicht überhaupt) geruhte mit 31 Zeichen zu dichten anzufangen. Die Worte der Buddhas sollten sich nicht unterscheiden. Auch die Darani Indiens sind nur die Worte der Menschen jenes Landes. Die Buddhas benutzen diese und geruhen sich die Darani zu erklären. Zu diesem Zweck sagte der Zen-Lehrer Yi Xing in seinem Werk Dainichi jôsho (Kommentar zum Vairocana Sutra) „Die Worte jedes Landes, sind alle Darani“ Falls der Buddha in unserem Land zu erscheinen geruhen sollte, sollte er lediglich durch die Worte unseres Landes geruhen Darani zu machen. Die Sôji sind ursprünglich nicht nieder geschrieben. Die Schrift drückt die Sôji aus. Haben nicht die Schriftzeichen eines jeden Landes die Fähigkeit die Sôji auszudrücken? Umso mehr hat auch der Kôbôdaishi (der Mönch Kukai) gesagt „Die fünf Elemente haben Auswirkungen. Alles was man mit den Sinnen wahrnehmen kann ist Schrift (Die 6 Sinne sind Schrift)“ Es gibt keinen Laut außerhalb der 5 Laute. Von dem Zeichen A entfernt gibt es keine Worte. Das Zeichen A mit anderen Worten, wird zum Ursprung des wahren Wortes der geheimen Lehre. Deshalb wird in den Sutren gesagt „Die Sprache Buddhas sind alles wahre Worte. Die 31 Kapitel des Vairocana Sutra, treffen ganz auf die 31 Zeichen zu. Wenn man die Lehre der Offenbarung Buddhas ist in 31 Zeichen einfasst, so erhält man Antwort von Buddhas und Boddhisatvas und die Emotionen von Göttern und Menschen. Auch wenn jedes Darani nur in den normalen Worten Indiens verfasst ist, wenn man sie als Darani gebraucht und diese dadurch bewahrt, haben sie Wirkkraft das Böse zu vertreiben und Schmerzen zu befreien. Auch wenn die japanischen Waka gewöhnliche Worte sind, wenn man Gedanken mitteilt in dem man Waka benutzt so gibt es sicherlich eine emotionale Reaktion.


Das im Text erwähnte Gedicht des Susanoo no mikoto lautet zusammengefasst übrigens in etwa:

Der achtfaltige Zaun, der achtfaltige Zaun, DER ACHTFALTIGE ZAUN

Nur zum besseren Verständnis ;-)

June 20, 2008

TimKenkôs Gedanken zum gestrigen Spiel

世の中の蹴球は、伯剌西爾や仏蘭西や阿蘭陀をのみ、見る物かは。独逸(シュランド)の蹴球を見るも、猶あはれに、なさけ深し。徒然草の詞にも、「豚ちゃんはをかしけり」とも、「葡萄牙は競技の中に久しくとどまりたるためしなし」なども書けるは、「ロナルドは泣く」と云へるに劣れることかは。

June 19, 2008

Tim芥川龍之介 - 河童 - Kapitel 1 - Teil 1

Kapitel 1:
Es war im Sommer von vor 30 Jahren. Mit einem gewöhnlichen Rucksack auf dem Rücken machte ich mich von der Unterkunft an den heißen Quellen von Kamikôchi aus auf, den Berg Hotaka zu besteigen. Um den Hotaka zu besteigen, blieb einem, wie sie sicherlich wissen, nichts anderes übrig, als dem Fluss Azusa flussaufwärts zu folgen. Natürlich bin ich den Hotaka durch das Flusstal des Azusa, in das sich der Morgennebel absenkte, ohne einen Führer hinauf, da ich zuvor schon den Yarigatake erklommen hatte. Durch das Flusstal des Azusa, in das sich der Morgennebel absenkte –doch dieser Nebel war überall und es gab kaum Aussicht auf baldige Aufklarung. Ganz im Gegenteil, er sank immer tiefer. Nachdem ich circa eine Stunde gelaufen war, dachte ich darüber nach, ob ich nicht zu der Herberge an den heißen Quellen von Kamikôchi zurückkehren sollte. Aber auch wenn ich hätte umkehren wollte, musste ich zunächst auf das Aufklaren des Nebels warten. Und während ich noch darüber nachdachte, senkte sich der Nebel mit jedem Augenblick stetig tiefer herab. „Ach, ich gehe weiter!“ Als ich mich dazu durchgerungen hatte, bahnte ich mir meinen Weg durch das hohe Bambusgras, um nicht vom Weg durch das Tal des Azusa abzukommen.
Doch einzig und allein der dichte Nebel behinderte meine Sicht immer mehr. Manchmal konnte man allerdings im Nebel die grünen Blätter an den dicken Ästen des Keyaki-Baumes oder der Tannen sehen. Plötzlich aber tauchten grasende Pferde und Kühe vor mir auf. Als ich jedoch dachte, ich könnte sie klar erkennen, wurde der Nebel plötzlich wieder dichter und verbarg alles in sich. Als meine Füße allmählich müde wurden, fing obendrein auch noch mein Magen an, zu knurren. Darüber hinaus hatten meine völlig durchnässten Klamotten und die Wolldecke nicht mehr ihr ursprüngliches Gewicht. Weil ich letzten Endes aufgeben musste, stieg ich zum Azusa hinunter, einzig dem Geräusch des zwischen den Felsen rauschenden Wassers folgend.
Ich setzte mich auf den Fels am Ufer und begann, etwas zu essen. Ich öffnete eine Dose Corned Beef, sammelte trockene Äste und machte ein Feuer – rund zehn Minuten brauchte ich dafür. Der bislang so fürchterliche Nebel begann langsam, aufzuklaren. Während ich an einem Brot nagte, warf ich einen kurzen Blick auf meine Armbanduhr. Es war schon zwanzig Minuten nach ein Uhr. Aber was mir einen noch größeren Schrecken einjagte, war irgendein schauderhaftes Gesicht, dessen Schatten auf das runde Glas meiner Armbanduhr fiel. Erschreckt drehte ich mich um.


Und hiermit schließe ich die heutige Sitzung... Muahaha!

Tim芥川龍之介 - 河童 - Vorwort

Das Vorwort zu der Kurzgeschichte "Kappa" von Akutagawa Ryûnosuke:

Das Folgende ist eine Geschichte, die der Patient Nr.23 einer Psychiatrie jedem erzählt. Er ist vermutlich schon über 30 Jahre alt, aber auf den ersten Blick hält man diesen Geisterkranken wahrlich für jünger. Die Hälfte seines Lebens – nein, belassen wir es damit. Während er seine Knie fest umklammerte und von Zeit zu Zeit aus dem Fenster schaute, vor dessen Eisengitter sich ein kahler Ast einer Eiche in den mit Schneewolken verhangenen Himmel ragte, erzählte er diese Geschichte lang und breit dem Leiter der Anstalt, Dr. S., und mir. Aber es war nicht so, dass er sich hierbei keinerlei Gestik bediente. Als er beispielsweise davon berichtete, wie er erschrak, zog er plötzlich den Hals ein…
Ich will seine Geschichte möglichst genau so, wie er sie erzählte, wiedergeben. Falls es aber jemanden gibt, dem meine Aufzeichnungen nicht ausreichen sollten, der sollte versuchen, sich an die Psychiatrie S. in dem Dorf XX außerhalb Tôkyôs zu wenden. Der für sein Alter jung erscheinende Patient Nr.23 wird dann vermutlich höflich sein Haupt senken und auf einen kissenlosen Stuhl weisen. Dann wird er ein müdes Lächeln aufsetzen und mit absoluter Sicherheit seine Geschichte wiederholen. Und zum Schluss – ich erinnere mich an den Ausdruck seines Gesichtes, als er die Geschichte beendet hatte. Zum Schluss wird er plötzlich aufstehen, mit den Fäusten herumfuchteln und jeden wie folgt anschreien: „Hau ab! Du Schuft! Auch du bist ein blödes, eifersüchtiges, obszönes, verschlagenes, eingebildetes, grausames, selbstsüchtiges Wesen! Hau ab! Du Schuft!“


Man darf gespannt sein auf mehr :-)

June 18, 2008

Henning川柳 Vol. 1

Angeregt durch den Beitrag meines werten Kollegen Herrn Bierschaum, möchte ich auch nun ein paar 川柳 (Senryû) hier vorstellen. Für Theorie und Hintergrundinformation bitte Wikipedia aufsuchen. :-)

Viel Spaß

「直帰する」
妻の返信
「えっ!こまるー」

"Ich komm direkt nach Hause!"
Die Antwort der Frau:
"Was? Oh nein!"

飛んできた
美人の唾
気にならず

Angeflogen kam
der Sabber der schönen Frau,
Ich bemerkte es nicht


「お父さん」
やさしく呼んで
ゴミ渡す

Vater!
Ein zärtliches Rufen,
Müllübergabe
(zum Müll rausbringen)

まだ寝てる
帰ってみれば
もう寝てる

Noch am Schlafen! (die Frau)
Wenn ich wieder komme,
schon am Schlafen


ゲイバーで
妻とそっくり
酔いがさめ

In der Gaybar! (Ort wo männliche Bedienungen sich als Frauen verkleiden)
Der Ehefrau zum verwechseln ähnlich,
wieder nüchtern




So das wars für heute! :-)

Tim沙石集 - Predigt des Nôsetsubô Returns!

Wer dachte, die Predigt des Nôsetsubô sei lustig gewesen, der nehme hier die Fortsetzung! Bamm!!!
Auf das uns Nôsetsubô noch einmal so herrlich erfreue!

Wenn man die Lehren Buddhas und die Wörter falsch versteht, dann befindet man sich auf einem Irrweg. Die Auslegung der Sutren der neu entstandenen Lehre der Realisierung der Metamorphose der Shingon-Sekte ist schlecht, gehört habend, dass, wenn die Sphäre der Erleuchtung durch das Erkennen von Buddhas Weisheiten , die Leidenschaften eines gewöhnlichen Menschen und das Verhaftetsein aufhören, wenn das Subjekt und das Objekt einer Handlung in Vergessenheit geraten, die anderen und ich hören auf zu existieren und die Grenzen verschwimmen und wenn man die diamantengleiche, wundersame Wirkung herbeigeführt wird, kommen Yin und Yang, Mann und Frau nicht über die zwei Gesetze der absoluten Weisheit und Vernunft hinaus, dann nehmen sie die Beschmutzung der Leidenschaften eines gewöhnlichen Menschen und nennen sie Weisheit und geheimnisvolle Vereinigung und Konzentration, dann schrecken sie nicht zurück vor unglaublich perversen Doktrinen und Praktiken.
Wenn man das noch ausführlicher sagt, ist es schwer, die theoretische Struktur der Shingon-Geheimlehre auszubreiten und aufzuzeichnen. Die grundlegende Struktur der Lehre ist ohne Illusion und Erleuchtung und ohne Heilige und Sünder. Aufgrund der Auslöschung der Lehre, ist der Geist des Menschen gerecht und ungerecht, erlangend und verlierend. Entsprechend gibt es immer das Leiden des Karma, geboren aus den Leidenschaften.
Deshalb ordnet man in der religiösen Praxis den Geist des Menschen und die Einsicht in die Weisheit ist es, die Essenz der Lehre zu verstehen.
In allen buddhistischen Lehren ist im Inneren keine Beschmutzung und außen kein schlechtes Karma […]
Wenn man sich Illusionen schafft, die das sündige Herz nähren, wird man sich wohl von allen buddhistischen Lehren entfernen. Diese schlechten Ansichten haben in letzter Zeit ihren Höhepunkt. Länder, wo es diese Art von schlechten Ansichten zu geben scheint, sollen von Unglücken heimgesucht werden. So kann man es im Butchôkyô (Buddha Head Sutra) lesen. Man sollte sich sehr Sorgen davor. Auch wenn man die Gebote bricht, ist es einer der acht richtigen Wege, ein Priester der Erde und des Himmels zu werden. Auch wenn man die Gebote einhält, werden die schlechten Ansichten zum Schaden des Landes.


Das war ein weiteres spannendes Abenteuer von einem diesmal sehr aktiven und nichts an Schläue einbüßenden Nôsetsubô..

RogerNochmals ein Gedicht

Diesmal aus dem Sankashû (山家集). Mit Gruß und mad props an unseren neuen Mitstreiter Tim!

花ちらで月はくもらぬ世なりせば物を思はぬわが身ならまし

Hana chirade tsuki wa kumoranu yo nariseba mono o omowanu wagami naramashi

In einer Welt, in der die Blüten nie fallen, in der der Mond niemals von Wolken verdeckt ist, was soll da mein Herz berühren?


EDIT: Auf vielfachen Kommentar will ich doch noch etwas ergänzen. "mono wo omofu" heißt eher "sich Sorgen machen um". Gemeint ist aber (denke ich zumindest), dass das Leben ohne die Vergänglichkeit der Dinge und ohne den Mangel an Perfektion letztlich langweilig wäre. Da ich die Übersetzungen eher Sinn- als Wortgetreu machen möchte, habe ich mich für meine Übersetzung entschieden.

Tim川柳 - Senryû

残業も
うちの会社じゃ
ボランティア
Überstunden sind
In meiner Firma
„Ehrenamtliche Arbeit“

あの世から
みれば死ぬ日は
誕生日
Aus dem Jenseits betrachtet
Ist der Tag des Sterbens
Der Geburtstag

年ごとに
テレビも髪も
薄型に
Im Lauf der Jahre
Wird sowohl das Fernsehbild als auch das Haar
Schwach und dünn

長電話
何回言うのか
「それじゃまた」
Wird bei einem langen Telefongespräch
Immer und immer wieder gesagt:
„Also, bis dann…“

バツイチの
ふたりで愛の
リサイクル
Bei einer Scheidung
Wird die Liebe der beiden
Recycelt

会話にも
あったら便利
削除キー
Wäre auch in einer Konversation
Sehr praktisch:
Die Löschtaste

友の数
あの世の方が
多くなり
Die Zahl der Freunde
In Richtung Jenseits
Wird sie größer

Tim徒然草 - 55

Entgegen der Annahme, dass es vermutlich wieder besser sei, sich ein Dach über dem Kopf vorzustellen, als tatsächlich eines zu haben, sagt Kenkô über das Bauen von Häusern:

Bei der Errichtung der Häuser sollte der Sommer im Mittelpunkt stehen. Was den Winter betrifft, so kann man überall wohnen. Wenn es heiß ist, ist es eine unerträgliche Sache, an einem ungeeigneten Ort zu wohnen. Tiefe, stehende Wasser erwecken nicht den Anschein von Kühle. Seichte, fließende Gewässer dagegen sind unvergleichlich kühl. Wenn man etwas Kleines, Detailliertes betrachtet, so sind helle Zimmer mit Schiebetüren Räumen mit Shitomi (Klappladen) vorzuziehen. Wenn die Zimmerdecke hoch ist, ist es im Winter kalt und nicht gut ausgeleuchtet. Was das Bauen von Häusern angeht, so sagt man, dass es gut ist, wenn man Zimmer baut, die für keinen spezifischen Zweck gedacht sind, aber schön anzusehen und deshalb für vielerlei Dinge nützlich sind.

June 13, 2008

Tim徒然草 - 137

Das Folgende ist der Anfang von Kenkôs Muffelorgie 137, die Henning schon teilweise gepostet hat:

Soll man etwa die Blumen nur dann betrachten, wenn sie in voller Blüte stehen und den Mond, wenn er am wolkenlosen Himmel zu betrachten ist?
Sich nach dem Mond in einer regnerischen Nacht zu sehnen oder das Voranschreiten des Frühlings nicht zu bemerken, weil man im Haus eingeschlossen ist, ist noch anrührender. Äste, an denen es bestimmt blühen wird, Gärten, in denen bereits alle Blüten abgefallen und verwelkt sind; es gibt viele Orte, die es Wert sind, angeschaut zu werden.
Stehen etwa Gedichteinleitungen, in denen geschrieben steht „Als ich zur Blütenschau gegangen war, waren bereits alle Blüten abgefallen.“ oder „Weil ich verhindert war, konnte ich nicht zur Blütenschau gehen.“ den Worten „Die Blüten anschauen“ nach?
Auch wenn der Brauch verständlich ist, der abgefallenen Blüte oder dem im Westen untergegangenen Mond nachzutrauern, so scheinen es doch besonders die ungebildeten Menschen zu sein, die da sagen: „An diesem Ast und an jenem Ast; es ist bereits alles abgefallen. Jetzt gibt es nichts mehr zu sehen!“

TimEin Test-Senryu

生まれた子
整形前の
ママの顔

Das neugeborene Kind
Hat das Gesicht der Mutter
Vor der Schönheitsoperation

June 11, 2008

Roger平家物語 - Yoshinakas Ende, Teil 4 - Der Tragoedie letzter Teil

Ohne viel Umschweife, das Ende von Kiso Yoshinaka. Und: Neue Url fuer Yo no Naka: yononaka.de .
Auch Henning und Tim schreiben ab sofort mit! Wir sind damit wohl endgueltig die groesste Bungo-Seite in Deutschland ;-)

Kanehira preschte vor, direkt in die Mitte der 50 feindlichen Reiter, richtete sich in den Steigbügeln auf und verkündete mit lauter Stimme:
"Gehört von mir habt wohl schon, nun seht mich mit euren eigenen Augen! Imai no Shirô Kanehira, der Milchbruder des Kiso Yoshinaka, 33 Jahre alt! Von jemandem wie mir weiß sicherlich auch der Fürst von Kamakura! Los, tötet mich und bringt ihm meinen Kopf zur Audienz!"
Er nahm die 8 übrigen Pfeile und schoss sie ungeheuer stark und schnell einen nach dem anderen ab. 8 Feinde schoss er unverzüglich nieder, doch wusste er nicht, ob sie lebten oder tot waren. Schließlich zog er sein Schwert, ritt dorthin, ritt hierhin und kämpfte sich rundherum durch die Feinde, so dass es keinen gab, der sich ihm entgegenstellte. Viele Köpfe nahm er in diesem Kampf. Er rief laut: "Erledigt mich nur!", und wurde von den Feinden eingeschlossen. Doch obwohl die Pfeile wie Regen auf ihn nieder fielen blieb seine Rüstung undurchdrungen und da sie keine Lücke finden konnten blieb er unversehrt.
Auch Fürst Kiso ritt allein, in Richtung des Kiefernhains von Awazu. Es war der 21. Tag des ersten Monats, gerade zur Zeit der Abenddämmerung. Das tiefe, sumpfige Feld wurde nur von dünnem Eis bedeckt und so verschwand das Pferd bis zum Hals in diesem, als Kiso es eilig dorthin vorantrieb. So sehr er auch versuchte das Pferd anzutreiben, so sehr er es anpeitschte, es bewegte sich nicht. Besorgt um den Verbleib Kanehiras reckte er seinen Kopf in die Höhe und blickte sich um, doch als er dies tat kam Miura no Ishida Jirô Tamehisa heran geritten, spannte seinen Bogen und schoss Yoshinaka den schwirrenden Pfeil durch die Stirn. Die Wunde war tödlich, und so sackte Yoshinaka nach vorne auf den Nacken seines Pferdes. Darauf kamen zwei Gefolgsleute Ishidas auf Kiso zu und hieben ihm den Kopf vom Hals. Tamehisa hob Yoshinakas Kopf auf seinem Schwert in die Luft und verkündete lauthals:
"Der im ganzen japanischen Reich bekannte Fürst Kiso Yoshinaka wurde von mir, Miura no Ishida Jirô Tamehisa, getötet!"
Als der noch kämpfende Kanehira dies hörte sprach er:
"Wen soll ich nun noch schützen? Für wen soll ich nun noch kämpfen? Schaut her, ihr Fürsten des Ostens! Japans bester Kämpfer zeigt euch, wie man stirbt!"
Daraufhin steckte er sich die Spitze seinen Schwertes in den Mund, stürzte sich kopfüber vom Pferd, durchbohrte sich und starb.
Und so gab es schließlich keinen Kampf in Awazu.

June 10, 2008

Roger沙石集 - Die Predigt des Nôzetsubô

Diesmal gibt es eine Geschichte aus dem Shasekishû des Mönches Mujû, das am Ende des 13. Jahrhunderts entstand. Diese Sammlung von "Kies und Sand" beinhaltet wieder einmal große Einsichten in die Welt des Buddhismus ("Es gibt keine Schrift ohne den Buchstaben A." "Alle Elemente sind Ton.") aber auch lustige Geschichten wie diese hier.

In der Provinz Saga lebte ein Mönch, der meisterhaft predigen konnte, des Namens Nôzetsubô. Er konnte den Menschen die Wahrheiten des Buddhismus hervorragend erklären. Seine Nachbarin war eine reiche Nonne, die einen Weinladen besaß. Nôzetsubô war ein großer Liebhaber des Weines und kaufte von den Spenden einzig und allein bei dieser Nonne. Einmal musste er sich Geld leihen, da die Spenden ausgegangen waren. Nun richtete diese edle Nonne aber ein buddhistisches Fest aus und bat Nôzetsubô, zu diese Anlass eine Predigt zu halten. Die Leute aus der Umgebung hörten davon und sagten zu Nôzetsubô:
"Diese edle Nonne verkauft einen vorzüglichen Wein, doch dieser hat einen Makel: Sie panscht ihn mit Wasser und denkt sich nicht einmal etwas dabei! Wenn ihr heute die Predigt haltet und sie den wässrigen Wein verkauft, so erzählt nur viel von der Sündhaftigkeit dieses Tuns! Es wird von Vorteil für uns alle sein."
Daraufhin sagte Nôzetsubô:
"Schon bevor ihr es mir sagtet, war mir alles klar. Ich hatte schon längere Zeit vor, ihr zu sagen was ich darüber denke."
Bei der Predigt nun redete er nur in groben Zügen über die Auslegung der Sutren. Sodann sprach er ausführlich über die Sünde des Weinpanschens, versammelte alle Gedanken die er in den Sutren dazu finden konnte und dachte sich sogar ein paar aus. Als die Predigt nun beendet war rief die Nonne die Menge zu sich, füllte ein großes Fass bis zum Rand mit Wein und forderte die Leute zum Trinken auf. Nôzetsubô nahm auf das Drängen der Menge als erster die Trinkschale in die Hand und nahm einen Schluck. Die Nonne sprach darauf:
"Wie schändlich war es von mir! Nichts wusste ich darüber, dass mein Handeln eine Sünde war!"
Jeder aber dachte bei sich:
"Obwohl ein wenig Wasser drin war, so war der Wein doch ausgezeichnet. Wie gut wird er erst heute sein?"
Nôzetsubô ließ ein lautes "Aaaah!" vernehmen und die Leute dachten sich:
"Wie gut der Wein nun wohl ist? War es ein Freudenlaut?"
Er aber sagte:
"Stets hast du in den Wein ein wenig Wasser gegeben, doch diesmal ist es Wasser mit ein wenig Wein!"
Daraufhin erwiderte die Nonne:
"Da ihr gepredigt habt wie sündhaft es sei, den Wein mit Wasser zu strecken, habe ich dieses Wasser mit Wein gestreckt."
Sie hatte nämlich das große Fass mit Wasser gefüllt und dann nur ein kleines Fläschchen Wein hinein gegeben.
Hatte sich die Nonne einen Scherz erlaubt? Oder hatte sie die Lehren Buddhas falsch verstanden?

June 05, 2008

Roger平家物語 - Yoshinakas Ende, Teil 3

Heute gibt es den dritten und vorletzten Teil von "Kisos Ende". Einen Dank an die Kommentatoren! Es freut mich sehr die Kommentare lesen zu koennen, besonders wenn sie so Offenbarungen wie das Marschall-Thema mit sich bringen. Noch ein paar Anmerkungen: In meiner Vorbereitungsphase habe ich tatsaechliche (soweit mit bewusst) alle Essays von Arno Schmidt zu dem Thema gelesen (dank Unibibliothek vor dem Hause) und die waren wirklich sehr informativ (und unterhaltsam!). Aber natuerlich laesst sich nicht alles gut auf die Uebersetzungen aus dem doch sehr (im Vergleich zum Englischen) anderen altjapanisch umsetzen. Die Auslassungen etwa: Natuerlich sind auch die Titel wichtig und jeder der eine "richtige" Uebersetzung lesen will wuerde sich aergern, wenn der Uebersetzer (wie hochmuetig!) meint, die koenne man auch weglassen. Aber die meisten Menschen wollen keine richtige Uebersetzung lesen, sondern einen spannenden, unterhaltsamen Text. Natuerlich wuerde ich in einer finalen Fassung auch jedes Amt und jeden Titel notieren, inklusive Bedeutung (sprich: Rang). Fuer dieses Blog werde ich mir aber wohl weiterhin, wenigstens ab und zu, die Freiheit nehmen, solche fuer den modernen Leser (und den ungebildeten Uebersetzer) voellig unverstaendlichen Teile zu kuerzen. Im japanischen ist die Rangfolge allerdings so oder so durch die vielen Honorifika (ausgedachtes Wort?) klar, so dass der Titel-und-Aemter-Wildwuchs auch dort zum Verstaendnis nicht notwendig. Andererseits fuege ich oefters mal die Namen der Akteure hinzu, die im Original selten genannt werden (da dem japanischen Leser / Hoerer diese durch die Hoeflichkeitsformen und Titel ohnehin klar sind. Beispiel: Wenn Kanehira spricht steht im Original 申す, bei Kiso 宣える). Genug der Vorrede, der dritte Teil von "Kisos Ende"!


Nun, da Imai no Shirô und Fürst Kiso Yoshinaka nur noch zu zweit waren wandte sich Kiso an ihn:
"Ich kann mich nicht erinnern, dass mir die Rüstung je so schwer gewesen ist."
Shirô erwiderte:
"Euer Körper ist noch nicht erschöpft! Auch euer Pferd ist kaum ermattet. Weshalb solltet ihr nun diese eine Rüstung als so schwer empfinden? Ihr seid sicherlich verzagt, da uns keine Verbündeten mehr verbleiben. Obwohl ich aber nur einer bin, so zählt mich als tausend Krieger! Da mir noch rund ein halbes Dutzend Pfeile geblieben ist will ich die Feinde euch noch kurz fernhalten. Schaut, dort! Dort der der Kiefernhain, den man Awazu nennt. Inmitten dieser Kiefern könnt ihr euch euer Leben nehmen!"
Kaum war dies gesprochen wandte er sich zum Kampf und es galoppierten abermals 50 Mann auf ihn zu.
"So begebt euch doch in jenen Wald! Ich will diese Feinde zurückhalten!"
Da jedoch sprach Fürst Kiso:
"Ich hätte schon in der Hauptstadt sterben sollen! Doch nun, wo wir bis hierher gekommen sind, will ich mit dir gemeinsam mein Leben verlieren! Bevor wir jeder hier alleine sterben, lass uns am gleichen Ort fallen!"
Er führte sein Pferd neben das Kanehiras. Der aber sprang vom Pferd und packte Kisos Pferd beim Maul und sagte zu Yoshinaka:
"Ein Krieger kann Jahr und Tag nur Heldentaten begehen, so ist, versagt er in der letzten Stunde, die Schande dennoch groß! Euer Körper ist gezehrt vom Kampf. Keine unserer Truppen folgen uns noch. Sollten wir von den Feinden getrennt werden, solltest du von einem unwürdigen Vasallen in den Kampf verwickelt und getötet werden, würde man über dich wohl schändlich sprechen: Der im ganzem japanischen Reich gerühmte Kiso Yoshinaka wurde von irgendeinem Kerl niedergestreckt! Darum eile zu jenem Kiefernhain!"
Da Kanehira nun dies gesprochen hatte, sagte Kiso einen letzten Abschiedsgruß und ritt zum Hain von Awazu.

June 04, 2008

RogerProfunde Gedanken zur Milchkrise

Sollen sie doch Sahne trinken wenn sie keine Milch haben!

June 02, 2008

RogerEin kleines Gedicht von Kobayashi Issa

Heute wieder ein kleines Gedicht von Kobayashi Issa.

蝸牛
そろそろ登れ
富士の山


Kleine Schnecke
kletter langsam, langsam
auf den Fuji-san

RogerÜber Übersetzungen

Hallo lieber Leser.
Keine Angst, bald gibt es wieder mehr Übersetzungen von alten, japanischen Werken (immerhin mein claim to fame), aber heute möchte ich ein wenig über die Arbeit des Übersetzens an sich schreiben. Das Übersetzen moderner Texte ist ja schwer genug. Was macht man mit Wortspielen? Einfach weglassen? Ein neues Wortspiel erfinden? Das alte Wortspiel wörtlich übersetzen und unten in einer Anmerkungen schreiben: Das ist lustig wegen... Sowas ist für den gewöhnlichen Leser sicherlich nicht so interessant. Der will schließlich lachen bei einem Witz und nicht hören "Hier wäre ein Witz gewesen". Was mit Redewendungen? Gerade wenn sich nicht eine leichte Entsprechung finden lässt. Man kann natürlich wieder einfach hinschreiben was im Original steht, Fußnote, "bedeutet XY". Das trägt sicherlich zur Exotik eines Textes bei. Aber diese Exotik ist nicht im Original vorhanden. Sie kommt erst durch die Übersetzung hinein. Der Übersetzer wird also gerade durch das wörtliche übertragen des Originals selber zum Schriftsteller...
Also erstmal die Frage: Was ist eine Übersetzung? Offensichtlich: Die übertragung eines Textes in eine andere Sprache. Aber reicht das? Auch die Kultur und sonstige Prägung des Autors spielt eine Rolle. Was bringt es, wenn ich in der Übersetzung schreiben würde "Und Yoshinaka geruhte durchlautigst sich zu einem Ausruf herabzulassen", um der Anzahl an Höflichkeitswörtern im Original gleichzukommen? Niemand würde solche Sätze als natürliches Deutsch empfinden. Natürliches (klassisches) japanisch sind sie aber allemal.
Wie geht man jetzt vor bei der Übersetzung eines klassischen Werkes? Das Heike Monogatari stammt aus dem Ende des 14. Jahrhunderts. Um es in die Sprache der selben Zeit zu übersetzen könnte man also gerade noch ins Mittelhochdeutsche gehen. Das wäre aber offensichtlich unsinnig. Das würde niemand lesen wollen, außerdem würden es viele auch gar nicht lesen können. Eine durch und durch moderne Sprache ist aber auch nicht gewünscht. Schließlich will man auch den Hauch von 600 Jahren spüren, der da aus der Vergangenheit herbei weht. Es ist kompliziert.
In meinem Übersetzungen habe ich bisher versucht die für den heutigen deutschen Leser unverständlichen Teile (Wie die -zig Titel der Akteure, die dann auch oft nur mit diesen Titeln im Text bezeichnet werden) wegzulassen oder durch verständliches zu ersetzen (Kiso Yoshinaka heißt also bei mir immer Kiso Yoshinaka). Besonders spannend wird es dann natürlich bei Gedichten, die teilweise praktisch unübersetzbar sind. Die Sprache halte ich zwischen modern und leicht alt (soweit ich es kann).
Also, lieber Leser. Was denkst du darüber?

May 28, 2008

Henning徒然草 - Yoshida Kenkô und das Tsurezuregusa

Eigentlich wollte ich gar nicht wieder so "schnell" was posten hier, aber aus aktuellem Anlass möchte ich euch nun doch was zeigen.
Und zwar einen Abschnitt aus dem Tsurezuregusa (徒然草) von Yoshida Kenkô (吉田兼好) Seines Zeichens nach passionierter Schriftsteller und Muffelkopf. Im Tsurezuregusa, was übersetzt in etwa "Aufzeichnungen in Mußestunden", geht es vornehmlich um Sachen die dem netten Herren miss- oder gefallen. Er philosophiert dabei über Natur und Mensch gleichermaßen, immer zu dem was ihm gerade in den Sinn kam. All seine Gedanken sind dabei geprägt von buddhistischen Gedankenzügen (er war hauptberuflich Mönch).
Heutzutage würde man sowas Blog nennen...Und genau das ist es eigentlich auch. Meiner Meinung nach sind manche Sachen Aufgrund ihrer Aktualität sehr interessant und manchmal auch unfreiwillig komisch. So ein Beispiel hatten wir heute wieder im Unterricht. Wir behandeln dort gerade ein Kapitel in dem er sich ausgiebig zu zwei der allgemein als schön geltenden Naturereignisse in Japan äußert. Der Kirschblüte und dem Herbstmond.

Die Kirschblüte dürfte ja den meisten bekannt sein als Begriff! Allgemein wird die volle Blüte als Höhepunkt angesehen bei dem jeder in Japan zu irgendeinem berühmten Ort pilgert um sie sich anzusehen, sich dann unter die Bäume zu setzen um zu trinken etc. (damals wie heute)
Der Herbstmond ist besonders schön zu betrachten, da im Herbst der Himmel meistens wolkenlos ist und man den Mond gut sehen kann. Auch wenn er die Schönheit der Ereignisse nicht verneint, so regt er sich mehr oder weniger drüber auf wie andere Leute sich vollkommen davon vereinnahmen lassen und als Resultat nervige Gedichte etc. darüber verfassen.
Auch wenn es vielleicht nicht so gewollt ist, so klingt es immer sehr schnippisch und altklug wenn man es übersetzt. Und weil ich den heutigen Teil besonders amüsant fand, dachte ich, dass ich heute mal was dazu schreibe.

Hier also der Abschnitt über das Ereignis der Kirschblüte:

"Ist es denn so, dass man Kirschblüte und Mond unbedingt mit den Augen sehen muss? Auch wenn man den Frühling das Haus nicht verlässt und in einer Mondnacht im Schlafzimmer verweilt, so ist das Denken (an die beiden Sachen) allein doch besonders schön.

Ein Mann von Bildung wird man nicht sehen, wie er sich vollkommen einem Interesse widmet, denn er verfolgt alles in Maßen.
Der einfache, ländliche Mensch hingegen, interessiert sich primitiver weise für alle möglichen Sachen. Er schmiegt sich an den Kirschbaum in voller Blüte, trinkt Reiswein, verfasst dann Gedichte (die Gedichte in dem Fall sind für ihn wohl das schlimmste) und zu allerletzt reißt er auch noch ohne Sinn und Verstand die großen Zweige des Baumes ab und nimmt sie mit nach Hause.
Im Sommer taucht er Hand und Fuß in jede Quelle, hinterlässt im Winter Fußstapfen im Schnee und einfach bei allen Dingen kann er es nicht nur beim Ansehen belassen!"


Fazit:
Es ist besser einfach besser sich alles nur vorzustellen als sich wirklich daran zu erfreuen. Außerdem ist jeder der alles anfassen muss um es zu verstehen ein dummer Bauer! Das Dichten bei der Kirschblüte entspricht heute etwa dem Karaoke...

Spaß haben ist schon doof! Der Miesepeter!

May 27, 2008

Roger平家物語 - Yoshinakas Ende, Teil 2

Der zweite Teil der Uebersetzung. Ich bin noch nicht ganz zufrieden. Die lange Beschreibung der Ruestung ist ueblich im Heike Monogatari, liest sich aber schon Original recht langweilig. Die Titel, die Yoshinaka wahrend seiner Namensnennung erwaehnt habe ich auch geschnitten, weil es wohl niemanden interessiert, dass er Hauptmann der linken Stallungen war. Die Umschrift der japanischen Namen habe ich ohne Laengungen vorgenommen, aber das stoert eh nur Japanologen. Ich bitte um Kritik/Verbesserungsvorschlaege!

An diesem Tag ritt Kiso Yoshinaka mit einer gut geschnuerten, praechtigen Ruestung in die Schlacht, die er ueber einem aus rotem Brokat gefertigten Hitatare trug. Auf dem Kopf sass ihm ein Helm mit maechtigen Hoernern, in der Hand fuehrte er ein glanzvolles Langschwert. Nur noch vereinzelte Adlerfederpfeile, die von den Kaempfen des Tages uebrig geblieben waren, ragten aus seinem Koecher. Er ritt sein geruehmtes Pferd Oniashige, bekannt fuer seine Groesse und Staerke, auf einem goldbeschlagenen Sattel und fuehrte einen makellosen Bogen.
Yoshinaka richtete sich in den Steigbuegeln auf verkuendete den Feinden lautstark seinen Namen:
"Ihr habt wohl schon von mir gehoert, als der junge Vasall aus Kiso! Aber nun seht ihr den hochgeruehmten Gouverneur von Iyo, den vom Kaiser ernannten General der Morgensonne, Minamoto no Yoshinaka! Und ihr seid sicherlich Ichijo no Jiro aus Kai! Wir sind uns wuerdige Gegner! Los, greif mich an und nimm mir meinen Kopf! Zeig Yoritomo was du kannst!"
Als er dies gesprochen hatte preschte er zum Angriff vor. Ichijo no Jiro wandte sich an seine Maenner:
"Habt ihr gehoert? Dort sprach ein General! Lasst ihn nicht entkommen, Krieger! Lasst keinen entwischen, Samurai! Toetet sie alle!"
Ichijo no Jiro umzingelte Yoshinaka mit seinen Truppen. Ein jeder wollte als der beruehmt werden, der Kiso Yoshinakas Kopf genommen hatte. Yoshinakas 300 ritten kreuz und quer, eingekreist von Jiros 6000 Mann, wild in alle Richtungen und als sie schliesslich durch die feindlichen Linien durchgebrochen waren, da waren es nur noch 50 Mann die fuer Yoshinaka kaempften. Dies ueberstanden trafen sie auf Tai no Jiro Kanehira, der seine Stellung mit 2000 Reitern verteidigte. Als Yoshinakas Krieger auch diese ueberwunden hatten warteten auf sie bald 500 Feinde, bald 300, hier wieder 150 und dort 100 Reiter und als sie all diese besiegt hatten blieben mit Yoshinaka nur noch 5 Krieger uebrig. Auch Tomoe war unter ihnen, unverletzt. Kiso Yoshinaka aber befahl ihr:
"Beeil dich und verschwinde, Weib! Ich will in der Schlacht sterben, oder, bevor ich in feindliche Hande gerate, mir mein Leben nehmen. Aber es waere kaum angemessen und wahrlich unerhoert, sollte bei Kisos letzter Schlacht eine Frau zugegen sein!"
Doch sie ruehrte sich nicht. Als er jedoch weiter und weiter auf sie einredete dachte sie bei sich:
"Ach, faende ich doch noch einen Feind, gegen den es sich zu kaempfen lohnt! In meinem letzten Kampf will ich mich Yoshinaka als wuerdig erweisen."
Kaum hatte sie dies gedacht, da erblickte sie schon den fuer seine Kraft geruehmten Onda no Hachiro Moroshige aus der Provinz Musashi, der mit seinen 30 Reitern auf sie zu geritten kam. Tomoe ritt gleich in ihre Mitte, fuehrte ihr Pferd auf gleiche Hoehe mit Onda no Hachiro, riss ihn vom Pferd, drueckt ihn gegen ihren Sattelknauf, hielt in dort kurz regungslos, drehte im schliesslich den Kopf ab und warf ihn fort. Daraufhin warf sie ihre Ruestung ab und floh gen Norden. Tezuka no Taro wurde erschossen und Tezuka no Betto floh.

May 24, 2008

RogerAchja, achja...

Der olle Server spinnt rum... Darum nicht wundern wenn mal was nicht geht, wenigstens bin ich inzwischen klug genug Backups zu machen.... Achja, schaut mal bei Henning vorbei, der auch seine Uebersetzung von der Ueberquerung des Ujigawa gepostet hat!

May 23, 2008

Henning平家物語 - Der erste Mann der den Fluss Uji durchquerte

So es ist mal wieder Zeit für eine Übersetzung zum posten! Ich hab jetzt endlich das Kapitel des 平家物語 (Heike Monogatari) genannt 宇治川先陣 (Ujigawa no Senjin, Der erste Mann der den Fluss Uji durchquerte) fertig übersetzt. War gar nicht so leicht, dass aus dem altjapanischen in halbwegs anständiges Deutsch zu bringen.

Hintergrund:

Das Kapitel spielt während des Genpei Krieges und ist der Auftakt der Schlacht zwischen den Truppen der Generäle Minamoto no Yoshitsune und Kiso Yoshinaka auf der anderen Seite. Markant an dem Kapitel ist der Humor! Man kann sagen, dass es einige der wenigen Stellen des Werkes ist wo absichtlich ein Witz eingebaut wurde. Ansonsten ist es mehr oder weniger nur unfreiwillig komisch, was aber für mich mindestens genauso gut ist ;-) Manchmal ist der Text sehr holperig und hat schnelle Szenenwechsel. Es ist einfach nicht zu 100% Prosa, sondern eher geschichtliche Aufzeichnungen gewürzt mit künstlerischer Freiheit. Wenn die Autoren oder der Autor (ist nicht so klar) sich über gewisse Ereignisse nicht im klaren waren, fielen die einfach knapper aus. Von daher sollte man erzählerische Unfeinheiten verzeihen!

Nach diesem Kapitel habe ich noch ein weiteres aus dem Heike Monogatari was ich dann demnächst veröffentlichen werde. Außerdem hab ich noch ein paar andere kurze Texte und Gedichte (auch moderne Sachen) die ich hier noch gerne bringen würde. Ich versuch dann auch hauptsächlich humorvolle (unfreiwillig oder absichtlich) Inhalte zu veröffentlichen, gerade auch weil diese mir auch am liebsten sind. Immer mit der Hoffnung, dass es irgendwen ein bisschen interessiert. ;-) Aber nun viel Spaß mit dem Kapitel:

"Der erste Mann der den Fluss Uji durchquerte"


Das Pferd, das Sasaki Shirou Takatsuna erhalten hatte, war ein brauner Hengst mit schwarzer Mähne.
Es war außerordentlich stark und kräftig, aber weil es sowohl Mensch als auch Pferd nicht an sich heran lies, erhielt es den Namen Ikezuki (verrückter Beißer). Man sagt, es wäre rund 4 Zoll größer als andere Pferde gewesen.
Auch Surusumi (Tintenblock), das Pferd das Kajiwara Genda Kagesue bekommen hatte, war außergewöhnlich stark und kräftig und ob seiner pechschwarzen Farbe trug es diesen Namen.
Beide waren unvergleichlich gute Pferde.

Von der Provinz Owari aus ritten sie in Front- und Rückseitenstreitmacht geteilt auf die
Hauptstadt zu. Der General der Frontstreitmacht war (Kaba no onzôshi) Noriyori. Unter seinem Kommando standen:

Takeda no Tarô
Kagami no Jirô,
Ichijô no Jirô,
Itagaki no Saburô,
Inage no Saburô,
Hangae no Shirô,
Kumagae no Jirô und
Inomata no Koheiroku

Insgesamt waren es 35.000 Reiter, die sich nach Noji und Shinohara der Provinz Omi zuwandten.
Die Rückseitenstreitmacht von General (Kurô onzôshi) Yoshitsune unter anderem begleitet von:

Yasuda no Saburô,
Ôuchi no Tarô,
Hatakeyama no Shôjijirô,
Kajiwara Genda,
Sasaki Shirô,
Kasuya no Saburô,
Shibuya no Uma-no-Jô und
Hirayama no Mushadokoro.

Zusammen waren es 25.000 Reiter, die über die Provinz Iga bis zur Brücke in Uji zogen.
Jedoch waren sowohl die Brücken von Seta als auch Uji entfernt worden und auf dem Grund des Flusses waren Pfosten eingeschlagen, verbunden mit Seilen an denen wiederum Dornengewächs befestigt war.

Weil schon der 20te des ersten Monats überschritten war, war es genau die Zeit, in der der Schnee aus dem Vorjahr in den Hochebenen von Hira, den Bergen in Shiga und auf dem Berg Nagara bereits verschwunden, das Eis der Täler bereits geschmolzen und demzufolge das Wasser angestiegen war. Die weißen Wogen des Flusses türmten sich auf und stürzten nieder, der Strom der sich brechenden Wellen dröhnte und das aufgewühlte Wasser floss schnell dahin.

Als die Nacht langsam dem Tage wich und der Nebel dicht über dem Fluss stand, waren weder das Fell der Pferde noch die Schnüre der Rüstungen klar zu erkennen.
Es war zu dieser Zeit, als General Yoshitsune an das Ufer des Flusses vortrat, den Blick über die Wasseroberfläche streifen lies und, wohl um die Herzen seiner Männer zu testen, verlauten lies: „Wie nun sollen wir verfahren? Sollen wir uns nach Yodo oder Imoarai wenden und den Fluss meiden, oder warten bis das Wasser zurück weicht?“ Dies gesprochen, wandte sich Hatakeyama no Shigetada, der zu diesen Zeitpunkt ein Jungspund von gerade einmal 21 war, zum Ufer des Flusses und sprach: „Wir haben in Kamakura bereits zur Genüge Belehrungen über diesen Fluss erhalten! Es ist ja nun wirklich nicht so, dass dieser Fluss euch unbekannt und gerade erst zutage getreten wäre. Da dieser Fluss dem Biwa-See der Provinz Ômi entspringt, mögen wir warten und warten, dennoch schwinden wird er nicht. Ferner wird uns auch wohl niemand eine Brücke bauen! Aber waren es etwa zornige Götter, die Ashikaga no Matatarô Takatsuna in der Schlacht von Jishô verhalfen, den Fluss zu überqueren? Ich, Shigetada, werde mich in den Fluss wagen.“ Dies verkündet, gerade als sich die 500 Reiter des Klans der Tan als erste Trense an Trense aufreihten, preschten von der Tachibana Sandbank im Nordosten des Byôdôin zwei Reiter heran. Einer von ihnen war Kajiwara Genda Kagesue, der andere Sasaki Shirô Takatsuna. Auch wenn die anderen es nicht ahnten, so hatten sich die beiden im Herzen entschlossen, die Ersten zu sein. Aber Kajiwara war Sasaki mehrere Längen voraus. Als Sasaki rief, „Dieser Fluss ist der Größte in den westlichen Provinzen! Euer Sattelgurt scheint lose, zieht ihn fest!“, stieg Kajiwara, der wohl auch schon daran gedacht hatte, mit beiden Beinen fest in seine Steigbügel, schmiss die Zügel in die Mähne des Pferdes und festigte den Gurt. Währenddessen zog Sasaki an ihm vorbei und spurtete in den Fluss. Kajiwara dachte wohl bei sich, ob er nicht betrogen wurde und hechtete kurz darauf hinterher. Als er ihn warnte: „Obacht Fürst Sasaki, dass ihr nicht um des Ruhmes willen Ungeschick walten lasst. Auf dem Grund des Flusses sind gewiss Seile gespannt.“, zog Sasaki sein Schwert und schnitt die Seile, die die Füße seines Pferdes erreichten durch. Auf Ikezuki, dem weltbesten Pferd, ritt er, auch wenn der Strom stark war, schnurgerade zur anderen Seite des Flusses und stieg das Ufer hinauf.
Kajiwaras Pferd Surusumi hingegen wurde ab der Mitte des Flusses von der Strömung schräg abgedrängt und ging deutlich weiter flussabwärts an Land.
Sasaki richtete sich im Sattel auf und verkündete lautstark seinen Namen: „Ich Sasaki Shirô Takatsuna, Nachkomme der neunten Generation des Kaisers Uda, Sohn des Sasaki Saburô Hideyoshi, bin der erste der den Fluss Uji durchquerte! Wer glaubt meiner würdig zu sein, der messe sich mit mir!“

Daraufhin passierte Hatakeyama mit seinen 500 Reitern den Fluss. Da aber seinem Pferd von der gegenüberliegenden Seite durch Yamada no Jirô in den Kopf geschossen wurde, arbeitete er sich von der Mitte des Flusses an mit seinem Bogen als Stütze weiter voran. Obwohl im das Wasser bis zum Rand seines Helms reichte, kümmerte ihn das wenig und er kam, nach mehrmaligem untertauchen, am Ufer an. Als er gerade im Begriff war, das Ufer zu erklimmen, spürte er wie ihn jemand von hinten kräftig zog. „Wer ist da“, fragte er, „Shigechika“ kam als Antwort. „Bist du es etwa, Ôkushi?“. „So ist es!“. Ôkushi no Jirô Shigechika war das Patenkind von Hatakeyama. Auf dessen Klage: „Der Strom des Wassers war zu stark, mein Pferd wurde hin fort getrieben! Und weil meine Kraft nicht ausreichte, klammerte ich mich an euch!“, entgegnete Hatakeyama bloß: „Ihr jungen Kerle glaubt wohl, dass ihr von Leuten wie mir, Shigetada, aus jeglicher Mißlage befreit werdet!“ und während er dies sagte, packte er Ôkushi und warf ihn ans Ufer. Dieser stellte sich sofort stramm auf und verkündete: „Ich Ôkushi Jirô Shigechika, stammend aus der Provinz Musashi bin der erste Mann, der denn Fluss Uji durchquerte...zu Fuß!“. Dies hörend brachen sowohl Freund als auch Feind in schallendes Gelächter aus.

Danach erklomm Hatakeyama sein Ersatzpferd. Ihm entgegen kam ein Feind welcher einen Hitatare aus Damast mit Fischwappen und darüber eine rotgeschnürte Rüstung trug. Auf seinem Apfelschimmel, der einen mit Gold beschlagenen Sattel trug, ritt er geradewegs auf ihn zu und als Hatakeyama ihn aufforderte: „Wer kommt da angeritten, gebt euch zu erkennen!“, verkündete dieser: „ Ich bin Nagase no Hangandai Shigetsuna, Mitglied der Familie von Fürst Kisô Yoshinaka!“
„Euch opfere ich dem Kriegsgott!“, sprach Hatakeyama, ritt auf eine Höhe mit ihm, riss ihn vom Pferd drehte ihm den Hals um und nahm seinen Kopf. Diesen gab Honda no Jirô zur Aufbewahrung, welcher ihn an seinem Sattel befestigte.

Zum Anfang konnten die Truppen des Fürst Kisô Yoshinaka die Stellung an der Brücke über den Fluss Uji noch für eine Weile halten, aber als die Truppen aus den östlichen Provinzen alle den Fluss durchquert hatten und angriffen, wurden sie aufgerieben und flüchteten Richtung Kohatayama und Fushimi.
Die Truppen die nach Seta zogen, überquerten dank eines Einfalls von Inage no Saburô Shigenari die Stromschnellen von Tanakami no guko.

May 22, 2008

Roger平家物語 - Der Tod von Yoshinaka


Heute ein laengeres Stueck aus dem Heike Monogatari. Der Anfang von "Yoshinakas Tod". Minamoto no Yoshinaka, auch Kiso Yoshinaka genannt, hatte noch vor den Truppen seines Vetters Minamoto no Yoritomo die Hauptstadt Kyoto erreicht und auch erobert. Dort wollte er allerdings nicht mehr Yoritomo als Kopf der Minamoto-Familie akzeptieren, und dieser schickte Truppen um Yoshinaka zu toeten. An dieser Stelle musste Yoshinaka gerade aus Kyoto fliehen...

Fuerst Kiso hatte aus Shinano die beiden Damen Tomoe und Yamabuki mit sich gebracht. Yamabuki jedoch war krank geworden und musste so in der Hauptstadt Kyoto bleiben. Tomoe hatte vorzueglich helle Haut, langes schwarzes Haar und ein ueber alle Massen schoenes Gesicht. Ausserdem war sie ein Bogenschuetze von seltenem Geschick, auf dem Pferd wie auch zu Fuss. Ebenbuertig im Kampf war sie tausend Mann und mit dem Schwert in der Hand nahm sie es selbst mit Gott und Teufel auf. Sie ritt sogar auf ungezaehmten Pferden die steilsten Abhaenge hinunter und wurde so von Yoshinaka als erster der Generaele dem Feind entgegen gestellt, mit einer vortrefflichen Ruestung, einem ueberragendem Schwert und einem starken Bogen. Es gab niemanden, der ihr in ihren Heldentaten gleichkam. So kam es auch, dass sie eine der sieben Krieger Yoshinakas war, die nicht wie die meisten Maenner erschossen oder in die Flucht geschlagen worden waren.
Mancher sagte nun, das sich Fuerst Kiso von Nagasaka zur Tanbastrasse begab. Andere erzaehlten, dass er sich nach Norden durch den Ryuuge-Pass schlagen wollte. Tatsaechlich war es jedoch so: Yoshinaka war besorgt um seinen Jugendfreund Imai no Shiro Kanehira, der in Seta mit 800 Reitern die Stellung gehalten hatte. Diese waren jedoch auf 50 Mann dezimiert worden und Imai liess daraufhin das Banner einrollen und kehrte aus Sorge um seinen Herrn, Fuerst Kiso Yoshinaka, zur Hauptstadt zurueck. Auf dem Weg trafen sie sich dann am Strand bei Uchide in Otsu, vor der Hauptstadt. Herr und Vasall erkannten sich aus 100 Metern Entfernung und trieben ihre Pferde aufeinander zu. Als sie sich trafen ergriff Yoshinaka Imais Hand und sagte:
"Obwohl ich entschlossen war beim Kampf in Kyoto im Flussbett zu sterben, so wollte ich doch so sehr erfahren, was aus dir geworden war und kaempfte mich durch ungezaehlte Feinde, damit ich hierher kommen konnte."
Imai Shirou Kanehira antwortete:
"Eure Worte beschaemen mich! Auch ich war entschlossen in Seta zu fallen, doch meine Sorge um euch trieb mich hierher."
Kiso sprach darauf:
"Unser Karmaband ist weiter ungeschwaecht! Meine Truppen wurden durch den Feind aufgebrieben und zerstreuten sich in Waelder und Berge. Sie sind wohl noch in der Naehe! Lass das Banner zum Kampf hissen, dass du aus Seta mitgebracht hast!"
Kaum sagte er dies, so tat Imai auch wie geheissen und von den Truppen aus Seta und den Truppen aus Kyoto kamen Reiter, die das von Imai gehisste Banner gesehen hatten und es versammelten sich 300 Mann.
Yoshinaka rief hocherfreut:
"Warum sollte ich mit diesen Maennern die letzte Schlacht nicht schlagen koennen? Doch wessen Truppen sind es, die ich dort in der Ferne sehen kann?"
"Es sind wohl die Reiter von Ichijo Shiro aus Kai!"
"Wie viele moegen es sein?"
"Wohl nahezu 6000!"
"Das scheint mir ein trefflicher Gegner zu sein! Wenn wir denn sterben sollen, so wollen wir doch inmitten des Kampfgetuemmels durch die Hand eines wuerdigen Gegners fallen!"
So sprach Yoshinaka und preschte voran.

May 17, 2008

RogerEin Haiku


Heute mal ein Haiku, nur ein wenig, alles andere ist noch nicht fertig vorbereitet.

世の中は

地獄の上の

花見かな



Unsere Welt:
auf dem Dach der Hoelle
eine Bluetenschau halten.


P.S.: Glueckwunsch zum Abitur, Lord Chesterfield-upon-Wessex

May 15, 2008

Roger徒然草 - Tsurezuregusa ueber: Wie das Heike Monogatari entstand


Heute eine Uebersetzung aus dem Tsurezuregusa (226). Wie das Heike Monogatari (angeblich) entstanden ist. Ein paar Anmerkungen:

Ein Bonze ist ein buddhistischer Priester. Jien war sogar Kashou, was der zweithoechste Rang in den Tendai- und Kegonsekten ist.

Yoshitsune und Noriyori sind die zwei wichtigen Generaele der Familie Minamoto wahrend des Genpei-Kriegs, die Yoshinaka in Kyoto besiegen.

Biwahoushi sind blinde Saenger in Moenchskleidung, die mit ihrer Laute (Biwa) das Heike Monogatari vortragen.

Die Ostprovinzen waren bekannt fuer ihre kriegerischen Bewohner.

Zu Zeiten Go-Toba Tenn?s war der fruehere Provinzgouverneur von Shinano, Yukinaga, sehr bekannt fuer seine Bildung in Literatur und Wissenschaften, zu einer Diskussion ueber (chinesische Gedichte) geladen worden. Weil er aber beim "Tanz der sieben Tugenden" zwei Tugenden vergass, bekam er den Spitznamen "Junger Herr der 5 Tugenden". Er nahm es sich so zu Herzen, dass er die Wissenschaften aufgab und Moench wurde. Der Bonze Jien nahm aber ohne Ruecksicht auf Herkunft jeden auf, der eine besondere Begabung besass und nahm auch diesen Novizen aus Shinano in seinen Dienst. Dieser Novize Yukinaga verfasste das Heike Monogatari, brachte es einem Blinden namens Shoubutsu bei und es liess es ihn aufsagen. Er schrieb vorzueglich ueber den Enryakuji, wie er auch ueber Yoshitsune ausfuehrlich schrieb. Ueber Noriyori wusste er wohl nicht so genau Bescheid und liess daher manche seiner Taten aus. Was die Krieger, Pferde und das Bogenschiessen betraf, so liess er Shoubutsu, der aus den Ostprovinzen kam, einige Krieger befragen und es niederschreiben.Die heutigen Biwahoushi lernen es, das Heike Monogatari mit der natuerlichen Stimme dieses Shoubutsu vorzutragen.

May 13, 2008

Roger平家物語 - Heike Monogatari


Gedichte sind gewuenscht! Und nicht die schoenen Mord-und-Totschlag-Epen... Nunja, dann verknuepf ich eben beides und es gibts das Anfangsgedicht aus dem Heike Monogatari!

Das Heike (gesprochen: Hehke) Monogatari, die Erzaehlungen von der Familie der Taira. Ein literarisches Werk von unbekanntem Autor, die Handlung: Der Aufstieg und Fall der Taira und der Spinnen vom Mars (nicht 100% Fact) im 12. Jahrhundert, vor Allem also der Genpei-Krieg zwischen den Taira und den Minamoto. Henning und ich planen, unsere Uebersetzungen soweit es geht zu bloggen und so ein paar Leuten die Welt des alten Japan nahezubringen. Und zwar weil es Spass macht! Ausserdem gibt es nur sehr wenige deutsche Uebersetzungen, oft nur englische und die sind nicht immer verlaesslich.

Zwar hat gab's die Einleitung schon mal bei Henning, aber bei mir folgt sie auch noch mal... Hier also der Anfang der Erzaehlungen der Heike, um in die Stimmung zu kommen.

Des Jetavanaklosters Glockenklang ist Widerhall des Unbestands der Menschenwelt.
Des Salbaums Bluetenfarbe zeugt von dem Gesetz, dass auf den Aufstieg folgt der Fall.
Selbst die Stolzen, sie waehren nicht lange. Sie sind grad wie der Traum einer Fruehlingsnacht.
Auch tapfere Helden sind schliesslich gefallen, sie sind ganz gleich dem Staub vor dem Wind.

May 11, 2008

RogerYoshida Kenko ueber: Anfang und Ende

Heute wieder ein bisschen aus dem Tsurezuregusa. Das Thema: Anfang und Ende. Kenko versucht (anscheinend sehr optimistisch) aus jedem negativen Teil des Lebens noch etwas positives herauszuholen. Nachdem er im vorherigen Teil darueber sinnierte, dass nicht nur das Erblicken der Kirschbluete ein schoener Ansatz zum Gedichteschreiben ist, sondern das Verpassen der selben ebenso poetisch sein kann, geht es in diesem Absatz um Anfaenge, Enden und Liebe.

Bei allen Dingen ist es so, dass deren Anfang und Ende besonders interessant sind.
Kann man denn nur eine glueckliche Beziehung als Liebe zwischen Mann und Frau bezeichnen?
Die Erinnerung an den Schmerz der unerwiederten Liebe; das Beklagen einer gescheiterten Beziehung; das einsame Verbringen einer schlaflosen Nacht; Die Sehnsucht nach dem weit, weit Entfernten; Im verfallenen, verwucherten Haus sich sehnen nach vergangenen Tagen: Gerade diese Dinge sind es, durch die man die Liebe kennt!

May 09, 2008

Roger和歌 - Waka - Japanische Gedichte


Hey Hey Hey!
Wieder mal Neues aus dem Bereich klassisches Japanisch! Diesmal aus der Gedichtsammlung Shin-Kokinshu von 1439. Die Gedichte die wir gelesen haben waren Teils vollkommen unverstaendlich, die verstaendlichen Teile praesentiere ich hiermit.

Gedicht 1918:

Was kuemmerst du dich? Worueber klagst du denn? Diese Welt ist vergaenglich wie der Blumentau.


Gedicht 1920:

Das Schilf rauscht im aufgewuehlten See; wie lang werde ich in dieser fliessenden Welt wohl noch treiben?


Demnaechst bringe ich nochmal was aus dem Tsurezuregusa UND aus dem Heike-Monogatari. Ein kleiner Teaser:

"Heute wird dem Kriegsgott geopfert!" rief Hatakeyama, ritt zu ihm hin, riss ihn kraeftig vom Pferd, drehte ihn den Kopf von den Schultern und gab diesen Honda no Jirou, der ihn an seinem Sattel befestigte.

April 23, 2008

RogerKlassisches Japanisch

Dieses Semester beschäftige ich mich hauptsächlich mit klassischem Japanisch, wie etwa dem Tsurezuregusa. Daher gibt's an dieser Stelle wohl ab und zu kleinere Übersetzungen!

ひとり燈のもとに文をひろげて、見ぬ世の人を友とするぞ、こよなう慰むわざなる。


Allein im Kerzenschein ein Buch aufschlagen;
und dadurch Freundschaft schließen mit den Bewohnern längst vergangener Welten:
wahrlich, es gibt keine vergleichbare Freude!

April 19, 2008

Henning平家物語 - Der Glockenklang des Gion-Klosters

Mein Semester in der Japanologie besteht diesmal zu einem ziemlich erheblichen Teil aus der Lektüre des 平家物語(Heike Monogatari). Auf Deutsch: Die Erzählungen über die Heike. Das Hei in Heike wird übrigens eher "Hey" ausgesprochen und nicht "Hai". Ist also in diesem Fall nicht der gängige weibliche Vorname!
In dem Werk aus dem 13. Jahrhundert geht es um den Aufstieg und Fall der Krieger-Familie der Taira (andere Lesung für Heike). Das Werk ist merklich unter starkem buddhistischem Einfluss entstanden. Da das japanische Mittelalter dem buddhistischem Zeitalter des Verfalls (末法) entspricht, in welchem die buddhistischen Lehren immer mehr in Vergessenheit geraten und das Land in Chaos verfällt (laut Definition der buddhistischen Zeitalter), ist das ganze Werk eher melancholisch und pessimistisch. Karma spielt auch eine Große Rolle. So ist der Untergang der Taira mehr oder weniger eigentlich die Schuld ihres Oberhauptes Taira no Kiyomori, dessen Karma für seine üblen Taten nun seine Nachkommen ausbaden müssen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht also wie gesagt die Familie der Taira, welche Momentan die Macht am Hof kontrollieren, aber von den Minamoto (oder auch Genji) herausgefordert werden.
Im Werk geht es um die Einzelschicksale der Krieger beider Familien, so wie um Große Schlachten zwischen den beiden Familien und Verschwörungen usw.
Gut genug dazu erstmal.
Ich dachte ich poste diesmal auf dem Blog die berühmten ersten Zeilen des Werkes, welche wie folgt lauten:

祇園精舎の鐘の声、 Gionshouja no kane no koe,
諸行無常の響あり shogyomujou no hibiki ari
沙羅双樹の花の色、 sarasouju no hana no iro
盛者必衰の理をあらはす。 joushahissui no kotowari o arawasu.
おごれる人も、久しからず、 ogoreruhito mo, hisashikarazu,
只春の夜の夢のごとし。 tada haru no yume no gotoshi.
たけき者も遂にはほろびぬ、 takekimono mo tsui niha horobinu,
ひとへに風の前の塵に同じ。 hito e ni kaze no mae no chiri to onaji.

Der Glockenklang des Gion-Klosters,
kündet von aller Dinge Vergänglichkeit.
Der Sala-Bäume Blütenfarbe offenbart,
dass alles, was erblüht, unausweichlich welkt dahin.
Die Hochmütigen währen nicht lange, gleichen sie doch bloß
dem Traum einer Frühlingsnacht.
Auch die Mächtigen gehen letztendlich zu Grunde,
denn sie sind wie der Staub, den der Wind vor sich trägt.


Ist vielleicht nicht am schönsten übersetzt, aber ich glaub die Bedeutung kommt rüber. ;-)
Das Gion Kloster ist ein indisches Kloster dessen Glocken beim Tode eines Mönches zu läuten beginnen um ihn ein letztes mal an seine Vergänglichkeit zu erinnern, so dass er allem weltlichen entsagend in die nächste Welt (wo auch immer das letztendlich sein mag) über tritt. Auch die Blüten des Sala-Baumes sind ein Symbol für die Vergänglichkeit.
Traum einer Frühlingsnacht und Staub vor dem Wind natürlich auch.
Es wird also nicht gespart an Metaphern um zu vermitteln was Sache ist. Das ganze zieht sich dann wie ein roter Faden durch das Buch. Die Taira hierbei als die Hochmütigen/Mächtigen die aber trotz Macht letztendlich unter gehen.
Aber trotzdem ist das Werk vielfältig. Ist quasi für alle was dabei. Heldengeschichten, Liebesgeschichten, religiöse Geschichten, Gleichnisse mit chinesischen Herrschern die immer lustige Sachen gemacht haben usw. Alles manchmal mehr, manchmal weniger spannend. Aber für ein knapp 800 Jahre altes Werk, ist das doch schon mal ganz gut ;-)

April 04, 2008

RogerErste Entlassung wegen StudiVZ

Heise berichtet in Bezug auf rbb. Ein paar Hotelangestellte werden schlecht behandelt, machen ihrem Aerger Luft in einem StudiVZ-Forum und bekommen eine firstlose Kuendigung: Immerhin gab's von ihnen eine Anschlagsdrohung.
Die war natuerlich nur ein Witz, wie man halt in Internetforen oder im Gespraech so redet. Trotzdem: Dank Vernetzung und Web 2.0 bekommt man wegen ein paar bloeder Bemerkungen eine Kuendigung. Kein StudiVZ benutzen!

March 31, 2008

RogerMetaphernmaster!

Aus faz.net:

Was fuer ein Verhaeltnis haben die tuerkischen Jugendlichen zum deutschen Staat?

Das kann man so pauschal nicht beantworten. Viele jedoch haben gar keins. Man muss sich das so vorstellen: Sie haben sich an der Bushaltestelle eine Festung gebaut und warten auf den Bus, der sie abholt. An der Bushaltestelle sind sie sich selbst ueberlassen und werden immer mehr. Ich bezweifle allerdings, dass sie wirklich daran glauben, dass der Bus tatsaechlich noch kommt.


Die Festung an der Bushaltestelle, in der man alleine ist bis man abgeholt wird, waehrend immer mehr Leute ankommen! Genial!